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Darkroom - Tödliche Tropfen
Darkroom - Tödliche Tropfen
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Kritik: Darkroom - Tödliche Tropfen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Rosa von Praunheims "Darkroom" beruht auf wahren Begebenheiten, die sich Anfang 2012 in Berlin zutrugen. Drei Männer brachte Dirk P. mit der als "K.O-Tropfen" bekannten Droge Liquid Ecstasy um, zwei weitere überlebten die Mordversuche. Von Praunheim orientierte sich bei seinem Film lose auf den Gerichtsprotokollen der Verhandlung gegen den mehrfachen Mörder.

Von Praunheim legt seine filmische Aufarbeitung des von der Boulevardpresse ausgeschlachteten Falls als Mix aus Dokumentarfilm, Gerichts-Drama, Biografie und Krimi an. Dabei interessiert ihn vor allem zweierlei: Wie konnte aus einem Mann, der eigentlich alles zu haben schien (eine harmonische Beziehung, keine Gelsorgen, einen sicheren Job) ein kaltblütiger Killer werden? Die Antwort darauf vermag der Film nicht vollends zufriedenstellend und abschließend zu beantworten. Lediglich ein paar surreal anmutende Sequenzen, die ebenso Rückblende in die Vergangenheit wie unheilvolle Traumpassagen sind, versuchen Erklärungen zu liefern: Lars wurde von seiner besitzergreifenden Großmutter misshandelt und trug aus seiner Kindheit schwere psychische Schäden davon.

Wesentlich gelungener und schlüssiger gestalten sich die Versuche von Praunheims, den Charakter und die Wesenszüge des Mörders herauszuarbeiten. Dies gelingt ihm mit feinfühligen, subtilen Momenten und kurzen Szenen, die oft nur beiläufig oder unbedeutend erscheinen – die jedoch weit mehr über die Persönlichkeit von Lars aussagen als zunächst angenommen. Etwa wenn er sich kurz vor dem Ableben seiner Opfer noch um diese kümmert und zu Sorgen scheint (er will ihnen den Tod so "angenehm" und schmerzfrei wie möglich machen), zeigt sich: Hier geht es um einen scheinbar schwer kranken, unberechenbaren Verbrecher, der jedoch zu Mitgefühl und Empathie in der Lage ist. Ein komplexer, vielschichtiger Charakter, dem es um Macht geht: Er bestimmt über Leben und Tod.

Die meisten der (Neben-) Darsteller agieren leider etwas hölzern und unbeholfen. Lediglich Katy Karrenbauer als resolute Richterin und Bozidar Kocevski als schwer zu durchschauender, am Ende reumütiger und bereuender Mörder ("Ich wollte das alles nicht") können Akzente setzen.

Fazit: Interessanter und stilistisch vielseitiger, letztlich aber nicht vollends überzeugender und schlüssiger Versuch, in die Psyche eines Serienmörders einzudringen und dessen Beweggründe offen zu legen.




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