VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Congo Murder (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser spannende Politthriller des norwegischen Regisseurs Marius Holst basiert auf einer wahren Geschichte, die in Norwegen jahrelang als der "Kongo-Fall" in den Nachrichten kursierte. Zwei norwegische Männer suchen in Afrika das kriegerische Abenteuer und landen im Ostkongo im Gefängnis. Es wird ihnen der Mord an einem afrikanischen Fahrer und Spionage zur Last gelegt. Was wirklich geschah, scheint niemand zu wissen, aber weil Tjostolv und Joshua unkooperativ auf das Gericht wirken und auch, wie sie selbst vermuten, weil Norwegen kein Geld für ihre Freilassung bieten will, werden sie verurteilt. Vier Jahre später stirbt Tjostolv im Gefängnis, in dem er sich eine Zelle mit Joshua teilte. Joshua wird nun des Mordes an ihm angeklagt.

Sich zu zweit in ein fremdes Land hinein zu wagen, in dem kriegerische Auseinandersetzungen eine undurchsichtige Lage geschaffen haben, ist schon ein Zeichen von Tollkühnheit. Von Anfang an wirken die Freunde Tjostolv und Joshua, wie sie da auf ihrem Motorrad durch Ostkongo fahren, wie naive Glücksritter. Joshua sagt als Voice-Over-Erzähler zu Beginn der Handlung verstörende Worte, die aber bis zum Schluss ihre Gültigkeit behalten werden: Es gebe Männer mit einem Hang zur Gewalt, die das Abenteuer des Krieges suchen.

Die beiden jungen Männer sind das nur scheinbar Klarheit versprechende Zentrum der Handlung in diesem gefährlichen Territorium, dessen koloniale Vergangenheit sich in den Begegnungen von Einheimischen und Europäern spiegelt. Über weite Strecken wissen Joshua und Tjostolv nicht, wie ihnen geschieht und die Kamera lässt die Zuschauer an diesem Eindruck teilhaben. Warum steht im Dschungel plötzlich ein Mann vor ihnen, der reglos bleibt und schweigt? Die Geschichte wird mit vielen Rückblenden zu den Ereignissen unmittelbar vor der Verhaftung erzählt, als suche sie selbst nach einer darin noch unentdeckten Wahrheit.

Joshua wirkt erstaunlich ruhig und gefasst, er ist der umgänglichere von beiden und schaut zu Tjostolv, dem Draufgänger, auf. Beide Charaktere bleiben gewissermaßen undurchsichtig, was dem Film eine zusätzliche Spannung verleiht. In der langen Haft, dem Abgeschnitten- und Verlorensein, klammern sich die Freunde noch mehr aneinander. Die Zuschauer erwarten mit zunehmender Dringlichkeit Antworten – und kreisen auf einer Spirale aus Ratlosigkeit und Verblüffung.

Fazit: Zwei junge Norweger, die als Söldner im Ostkongo das kriegerische Abenteuer suchen, scheitern dort rasch an den undurchsichtigen Verhältnissen und ihrer Selbstüberschätzung. Basierend auf einem wahren Fall, erzählt der norwegische Regisseur Marius Holst in diesem hoch spannenden, atmosphärisch dichten Politthriller von einer Männerfreundschaft, die in der Isolation der Haft eine Art Todesspirale vollzieht. Die immer dringlicher werdende Frage, ob es einen Ausweg aus der vertrackten Lage oder auch nur einen Reim auf sie gibt, beschert den Zuschauern ein Wechselbad der Gefühle.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.