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Kritik: Small Planets (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dirk Manthey ist ein Weltenbummler. 1960 in Madrid geboren, hat er in Hamburg Ethnologie und Romanistik studiert, bevor er Mitte der 1990er-Jahre ins Filmgeschäft einstieg. Sein Interesse für fremde Orte und Kulturen schlägt sich auch dort nieder. Einige der von ihm produzierten Filme erzählen von Heimat und Fremde, vom Reisen und Ankommen und von kulturellen Biotopen rund um den Globus. In seiner neuesten Regiearbeit hat er vier abgeschottete Orte besucht, jeder sein eigener Mikrokosmos und jeder auf seine eigene Weise faszinierend.

Manthey führt uns diese Orte kommentarlos vor. Als stille Beobachter nehmen wir am Alltag der Porträtierten teil. Auch auf Interviews verzichtet Manthey. Bevor einige Texttafeln am Ende des Films das zuvor Gesehene einordnen, ergeben sich die Besonderheiten der Orte und die Beziehungen der Menschen zueinander und zu dem von ihnen bewohnten Umfeld ganz von selbst.

Wertfrei beobachtet und ruhig montiert, kristallisieren sich ganz allmählich Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus. Gesellige Runden bei einem gepflegten Plausch oder einem Kartenspiel wirken der Einsamkeit entgegen. Mal ist die Isolation der geografischen Lage, mal der kulturellen Ge- und Verschlossenheit geschuldet. Während die Forscher am Nordpol ihre Abgeschnittenheit ebenso wie die Arbeitsmigranten aus Sri Lanka selbst gewählt haben, hatten die Leprapatienten in der Vergangenheit ebenso wenig eine Wahl wie die Kinder, die auf der Insel Grímsey oder in die neapolitanische Diaspora hineingeboren werden. Viele junge Menschen wollen dementsprechend der Abgeschiedenheit entfliehen – sei es durch den Wegzug in dichter besiedelte Gegenden oder durch eine Verweigerung des Rückzugs nach Sri Lanka.

"Small Planets" blickt unaufgeregt auf die Lebensumstände an abgeschotteten Orten – manche davon mitten unter uns und doch verborgen – und erzählt dadurch viel über Heimat, Fremde und menschliches Zusammenleben. Dank der Aufnahmen des Kameramanns Sebastian Bock, der weite Schneelandschaften und enge Gassen gleichermaßen brillant einfängt, sieht das Ganze fantastisch aus. Bocks Bilder werden von vier unterschiedlichen, an die Landschaft und die Länder angepassten Musikkompositionen getragen.

Fazit: "Small Planet" erkundet vier unterschiedliche Orte der Isolation. Wertfrei, kommentarlos und präzise beobachtet, fantastisch fotografiert und ruhig montiert, ergibt sich ganz allmählich ein beeindruckendes Kaleidoskop menschlichen Zusammenlebens.




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