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Kritik: Limbo (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Limbo" wurde vom 36-jährigen, aus Speyer stammenden Regisseur Tim Dünschede inszeniert, der in seinen ersten Berufsjahren in der Filmbranche unter anderem als Aufnahmeleiter und Beleuchter arbeitete. "Limbo" ist sein erster Langfilm, nachdem er in den vergangenen Jahren mit Werken wie "Haltlos" oder "Fremde" bereits einige Kurz-Spielfilme drehte.

Filme, die in einer Einstellung gedreht wurden oder zumindest den Anschein erwecken als wären sie es, locken Zuschauer in die Kinos und verleiten die Kritik nicht selten zu Begeisterungsstürmen. Siehe "Victoria" (2014) oder aktuell "1917", der sich zu einem veritablen Kassenhit mausert. Ebenso wurde das Thriller-Drama "Limbo" stark damit beworben, in nur einem "Take" gedreht worden zu sein. Tatsächlich erweist sich dieser Umstand als das größte Plus dieses 90-minütigen, stilsicher inszenierten Spielfilm-Debüts, aber nicht nur aufgrund der damit einhergehenden Dringlichkeit und Rasanz.

Denn der eigentlich Clou von "Limbo" ist, dass er (anders als zum Beispiel "Victoria") einer gewaltigen inhaltlichen Herausforderung gegenüberstand: unterschiedliche Handlungsstränge und das Schicksal mehrerer Figuren – ohne Schnitte – nahtlos zusammenzuführen. Regisseur Dünschede gelingt dies auf packende Weise, wenn er seine Akteure immer wieder (mehr oder weniger zufällig) aufeinandertreffen lässt, nur um sich anschließend mit seiner Kamera an die Fersen der neu hinzugekommenen Figur zu heften. Das generiert Spannung und erzeugt eine ungeheure Dichte, zumal man als Zuschauer selten zum Durchschnaufen kommt.

Die Darsteller machen ihre Sache gut, allen voran die junge Hauptdarstellerin Elisa Schlott sowie Mathias Herrmann als undurchsichtiger Firmenchef. Dennoch fallen bei der Figurenzeichnung so allerlei Klischees und Stereotype auf. Da ist der abgehalfterte Kleinkriminelle, der die Seiten wechselt oder der Undercover agierende, zwischen die Fronten geratende Ermittler, der dem großen Gangsterboss das Handwerk legen will. All dies ist nicht neu und findet sich in gefühlt jedem zweiten ARD-/ZDF-Vorabendkrimi wieder. Ebenso wie die Geschichte um verbrecherische Systeme innerhalb der eigenen Firma, das Geflecht aus Geld und Gewalt sowie die (große und kleine) Gangsterwelt, in der sich zwielichtige Gestalten tummeln. Hier erinnert "Limbo" mehr an einen TV-Krimi als an großes Kino für die Leinwand.

Fazit: Vielversprechendes, temporeiches und technisch beeindruckend umgesetztes Debüt mit verschmerzbaren Schwächen bei der Charakterzeichnung und der inhaltlichen Ausgestaltung.




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