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FBW-Bewertung: Russland von oben - Der Kinofilm (2019)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: Die Naturdokumentation beginnt mit einem bekannten Russlandklischee: Churchills Ausspruchüber Russland als"Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium". Der Film versucht in gewisser Weise, dieses Rätsel Russland mit grandiosen, ambitionierten Aufnahmen von Land, Leuten und vor allem Tieren zu lösen. Wie es im Genre der Naturdokumentation durchaus üblich ist, trägt er andererseits zur erneuten Mystifikation durch seine faszinierenden, zum Staunen anregenden Aufnahmen bei.

Das Konzept des Films? entstanden aus einer mehrteiligen TV-Dokumentationsserie ? scheint zunächst vor allem ein geographisches zu sein: Aus den großen Städten Petersburg und Moskau wenden sich die Drohnen- und Hubschrauberkameras immer wieder nach Osten, nördlich entlang der Barentssee, südlich bis in den Kaukasus und dazwischen mit der Transsibirischen Eisenbahn über den Baikalsee bis zum Nordpazifik und der Insel Kamtschatka. Aufnahmen aus dem All geben zwischendurch immer wieder Orientierung, wohin die Reise im riesigen Land geht ? über diverse dramaturgische Sprünge hinweg.

Man sieht der Dokumentation die große Sorgfalt und die Liebe zum Detail, mit denen sie gemacht ist, durchaus an. Die Vielfalt der durch Aufnahmen und im Kommentar angerissenen Themen spiegelt die Vielfalt der russischen Föderation wider, sorgt aber nach Ansicht der Jury auch für eine gewisse Unübersichtlichkeit. Kurze historischeRückblicke, etwa auf das Erbe von Revolution und Stalinismus, werden ergänzt um Schlaglichter auf manche Umweltprobleme und Minderheiten-Traditionen, unterbrochen von Erläuterungen zu botanischen, biologischen oder geologischen Kuriositäten. Da fällt es, so die Jury, den Zuschauern mitunter schwer, den Überblick zu behalten.

An die Stelle eines roten Fadens rückt oft die Musik, die nach Meinung der Jury ein Stück zu gleichförmig auf Spannungssteigerung setzt und dazu recht dominant auf den jeweiligen Schnitt montiert ist. Obwohl etwa Probleme wie der Klimawandel angesprochen werden, vermittelt die Dokumentation zwischendurch den Eindruck eines Imagefilms. So großartig manche Szenen sind ? wie etwa die seltene Aufnahme einer Orka-Attacke auf einen Grauwal gen Ende -, hätte dem Film eine stringentere Auswahl in manchem gut getan. Die Jury vermisste ein besser erkennbares Konzept und an manchen Stellen im Kommentar mehr Vertiefung und wenigernur beschreibende Äußerungen.



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