oder

Kritik: Ip Man 4: The Finale (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Im Kino trug Bruce Lees Lehrmeister Ip Man (1893-1972) bereits viele Gesichter. Tony Leung, Yu-Hang To und Anthony Wong haben den posthum zum Großmeister des Kung-Fu-Stils Wing Chun ernannten Kampfkünstler gespielt. Am eindrücklichsten bleibt jedoch Donnie Yens Interpretation. In Wilson Yips schlicht "Ip Man" betitelter und durch den finalen Teil zur Tetralogie angewachsener Reihe lässt Yen ein letztes Mal seine Fäuste fliegen. Mit Ips wahrer Geschichte hat das abermals wenig zu tun.

Wilson Yip und seine Drehbuchautoren bleiben sich treu. Erneut wechseln sie den Handlungsort, das Jahr und die Farbgestaltung. Das aus den ersten drei Filmen bekannte Erzählmuster und die politische Grundierung sind ebenfalls gleich. Wie immer unfreiwillig kämpft sich Ip Man von unten nach oben. Während die besonnene Hauptfigur dabei auf Völkerverständigung und Konfliktvermeidung bedacht ist, scheint an allen Ecken und Enden eine nationalistische Gesinnung durch. Die chinesische Kampfkunst präsentiert sich als fremden Kampfkünsten überlegen und andere Nationen werden (fast) ausnahmslos zu Bösewichten degradiert.

Das erinnerte schon zuvor an vergleichbare patriotische Vehikel US-amerikanischer Prägung wie etwa "Rocky IV" (1985). Die von Stuntkoordinator Woo-Ping Yuen ("Tiger & Dragon", "Kill Bill", u.a.) meisterhaft choreografierten Kampfeinlagen, Donnie Yens Charme und der Umstand, dass dessen Figur nicht so pathetisch wie beispielsweise Sylvester Stallones erwähnter Boxer Rocky Balboa agierte, machten vieles wett. Im Finale geht indes kaum etwas zusammen.

Verströmten manche Schurken, etwa der im Auftaktfilm von Hiroyuki Ikeuchi gespielte General Miura, zumindest ein wenig Ambivalenz, sind sie in der finalen Runde allesamt plump und platt. Die zu kleinteilig erzählte Handlung gewährt Yens Titelfigur zu wenig Raum. Auf dessen Humor verzichtet der Film beinahe ganz. Und auch Woo-Ping Yuens Kampfballette waren schon einmal atemberaubender. Statt eines krönenden Abschlusses ist "Ip Man 4" ein echtes Ärgernis, das dem Andenken an den echten Ip Man nicht gerecht wird.

Fazit: Noch nie auf historische Genauigkeit bedacht, spannt Regisseur Wilson Yip Kampfkunstlegende Ip Man ein letztes Mal vor den politischen Karren. So platt und plump wie im Finale war der nur dürftig kaschierte Nationalismus allerdings noch nicht. Dagegen kommt selbst ein blendend aufgelegter Donnie Yen nicht an.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.