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New York - Die Welt vor deinen Füssen
New York - Die Welt vor deinen Füssen
© Happy Entertainment

Kritik: New York - Die Welt vor deinen Füssen (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Begleiten ließ sich Green von seinem Freund, dem Regisseur Jeremy Workman, der sich in seinen Filmen schon häufiger mit seiner Heimatstadt New York befasste. Darunter in der Doku-Anthologie "True New York" (2016). Seine Weltpremiere erlebte "New York – Die Welt vor deinen Füßen" im vergangenen Jahr auf dem Austin's SXSW Film Festival.

Der große Reiz von "New York" besteht darin, dass interessierte Zuschauer die Stadt auf eine ungewöhnliche Weise kennenlernen und der Film frische, unverbrauchte Perspektiven auf die US-Metropole, ihre Einwohner, Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten eröffnet. Im Gegensatz zu klassischen Städte-Dokus oder filmischen Reiseberichten geht es hier nicht einfach nur um das Präsentieren und Abfilmen bekannter Orte und touristischer Ziele, möglicherweise noch angereichert mit vielen trockenen Infos, Zahlen und Fakten.

Vielmehr lernt der Zuschauer in "New York" unzählige unbekannte und eher als Geheimtipps geltende Stadtteile, Plätze, Parks, Friedhöfe, Blocks und Straßenzüge kennen, die sich einem sonst nie erschlossen hätten. Natürlich sieht man in der Doku auch die altbekannten, ikonografischen Sightseeing-Highlights, etwa wenn Green an der Freiheitsstatue, dem Guggenheim-Museum oder dem Empire State Building vorbeiläuft.

Viel spannender und interessanter aber sind die zahlreichen, zunächst oft eher unbedeutend und unwichtig erscheinenden Orte, an denen Green nach einer gewissen Zeit dann aber doch erwähnenswerte, skurrile Entdeckungen macht oder mal erhellende, mal völlig belanglose (dafür aber umso witzigere) Gespräche mit Passanten führt. Etwa wenn er auf verwahrloste aber ungemein geschichtsträchtige Bauwerke oder Grundstücke verweist, ihm ein völlig verrosteter aber standhafter Zaun auffällt oder ihm auf seinen Erkundungstouren durch Parks sowie Grünflächen innerhalb und außerhalb des Stadtgebiets allerlei tierische Lebewesen (darunter ein Pfau sowie Rehe) über den Weg laufen.

Ein Nachteil ist, dass der Film zu viel an Eindrücken und Impressionen bereithält. Die Schnitte sind schnell und die Szenen sowie Schauplätze wechseln nicht selten innerhalb weniger Sekunden. An dieser Stelle widerspricht sich der Film selbst ein wenig: Er fordert dazu auf, im Alltag zur Ruhe zu kommen, auf die kleinen Details zu achten und die Welt ganz ohne Hektik und Stress mit den Füßen zu erkunden. Die reizüberflutende Masse an Bildern und Einzel-Sequenzen erzeugt bisweilen aber genau das Gegenteil: Stress und Anstrengung.

Fazit: Liebenswürdige, charmante Doku über ein ambitioniertes "Laufprojekt", das viele unbekannte Sichtweisen auf New York ermöglicht, in seiner herausfordernden Bilderflut allerdings auch etwas zu hektisch und unruhig daherkommt.




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