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Das Wunder von Taipeh
Das Wunder von Taipeh
© mindjazz pictures

Kritik: Das Wunder von Taipeh (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die 1982 gegründete deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen hat eine Geschichte glänzender Erfolge vorzuweisen und viel dazu beigetragen, den Frauenfußball aus dem Schatten des Männersports herauszuholen. Der Dokumentarfilm von John David Seidler erinnert an die steinigen, weiter zurückliegenden Anfänge des Frauenfußballs in Deutschland. Wer waren die Pionierinnen des SSG 09 Bergisch Gladbach, die 1981 das internationale Frauenfußball-Turnier in Taiwan gewannen? In diesem Film kommen sie zu Wort und erzählen von ihrer Fußballbegeisterung, die auch die Zeit der Illegalität, die Geringschätzung seitens männlicher DFB-Funktionäre und widrigste Trainingsbedingungen überstanden hatte.

Die damalige Trainerin und Stürmerin im Frauenteam von Bergisch Gladbach, Anne Trabant-Harbach, und etliche ihrer Spielerinnen erinnern sich, wie sie zum Fußballsport kamen. Viele spielten auf der Straße mit Jungen. Nach 1968 bildeten sich immer mehr Frauenmannschaften, der DFB konnte den Frauenfußball nicht länger als illegal ausgrenzen. Die Frauen erzählen von den Vorurteilen, die ihnen entgegenschlugen, von Männern, die befürchteten, dass dieser Sport ein Sammelbecken für Lesben werde, dass Frauen den Härten des Fußballspiels nicht gewachsen seien. Auch mit der TV-Berichterstattung konnten sie nicht zufrieden sein, mussten sie sich doch in Interviews spöttische Fragen wie "Sagt man Mannschaft oder Frauschaft bei Ihnen?" anhören. Gespielt wurde in manchen Vereinen auf Plätzen, die man den männlichen Sportlern nicht zumuten wollte.

Die Erzählungen der Sportlerinnen, von denen einige noch heute als Trainerinnen aktiv sind und sogar selbst gelegentlich ein Spiel bestreiten, werden von viel Archivmaterial begleitet. Man sieht die Frauen in jungen Jahren beim Training, auf Turnieren. Ausführlich wird die Weltmeisterschaft in Taiwan behandelt, bis hin zu Aufnahmen vom Empfang der Siegerinnen in Deutschland. Gerne werden Spielszenen von damals Aufnahmen von heute gegenübergestellt, auf denen einige der Frauen in einem Stadion sitzen und ein Spiel verfolgen. Der Eindruck, sie würden sich selbst, über den zeitlichen Abstand hinweg, Beifall klatschen, wirkt etwas gewollt. Dieser Film ist zwar nicht perfekt, aber ein spannendes und wichtiges geschichtliches Dokument, das die Pionierleistung der Fußballerinnen vor 40 Jahren würdigt.

Fazit: Der Dokumentarfilm von John David Seidler vertieft sich in die aufregende Pionierzeit des deutschen Frauenfußballs. Die ehemaligen Spielerinnen des SSG 09 Bergisch Gladbach erzählen, wie sie 1981 bei der inoffiziellen Weltmeisterschaft im Frauenfußball in Taiwan antraten und siegten. Mit diesem Erfolg ebneten sie der Gründung einer Nationalmannschaft der Frauen den Weg. Der Film bietet reiches Archivmaterial und beschwört auf spannende Weise die Atmosphäre einer Zeit herauf, in der fußballspielende Frauen in Deutschland mit Ächtung, Vorurteilen und fehlender Unterstützung konfrontiert waren.






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