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Die Farbe aus dem All
Die Farbe aus dem All
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Die Farbe aus dem All (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nicolas Cage ist ein Arbeitstier, ob aus Liebe zum Spiel oder wegen klammer Kassen sei dahingestellt. Allein 2019 stand der einstige Charakterdarsteller sechsmal vor der Kamera. Ein wirklich großer Wurf war für den Oscarpreisträger ("Leaving Las Vegas") schon lange nicht mehr dabei. Aus all der Ausschussware ragte zuletzt einzig Panos Cosmatos' "Mandy" (2018) haushoch heraus. Nun folgt die nächste cineastische Verrücktheit von derselben Produktionsfirma, die zumindest in puncto Farbgebung an "Mandy" erinnert, und die einen ähnlich undurchschaubaren Regisseur wie Cosmatos vorweisen kann: Richard Stanley.

Dessen Stern sank genauso schnell, wie er aufgegangen war. Seine zwei Low-Budget-Glanzlichter "Hardware" (1990) und "Dust Devil" (1992) katapultierten den 1966 geborenen Filmemacher von Südafrika nach Hollywood. Doch statt durchzustarten, setzte er die H.G.-Wells-Adaption "The Island of Dr. Moreau" (1996) in den Sand. Wenige Tage nach Drehbeginn wurde er durch John Frankenheimer ersetzt. Stanleys seither gedrehte Dokumentar- und Kurzfilme hatten nur noch Hardcore-Fans auf dem Schirm. Mit der "Farbe aus dem All" erscheint er nun ziemlich unerwartet wieder auf der Bildfläche.

Als Vorlage diente die gleichnamige, bereits mehrfach adaptierte Kurzgeschichte H.P. Lovecrafts. Im Idealfall soll aus der Verfilmung eine ganze Lovecraft-Trilogie erwachsen. Ob das mit diesem kruden Mix gelingen wird, bleibt mehr als fraglich. Kultpotenzial dürfte Stanleys Variante immerhin erringen. Denn so beängstigend, wie sich bei Lovecraft der extraterrestrische Eindringling in das Bewusstsein der Familie frisst, so trashig setzt Stanley diesen Schauder in Szene. Dabei beginnt dieser Scifi-Horror durchaus stimmungsvoll.

Die abgelegene Farm der Familie Gardner liegt idyllisch. Das kleine, aber feine Set kann sich ebenso sehen lassen wie die Arbeit von Kameramann Steve Annis, der zuletzt das Scifi-Kammerspiel "I Am Mother" (2019) in berückende Bilder kleidete. Und selbst der für seinen Hang zum Overacting so viel gescholtene Cage legt beeindruckend zurückhaltend los. Wenn er gleich zu Beginn auf der Veranda gemeinsam mit seiner Spielpartnerin Joely Richardson auf das Leben ihrer zwei Figuren blickt, schimmert seine Brillanz immer noch durch.

Je mehr die titelgebende Gefahr jedoch Besitz von den Familienmitgliedern ergreift, desto stärker verliert der Film an Struktur und Cage an Souveränität. Die Handlung wird zunehmend fahrig, Cage wechselt unvorhersehbar zwischen Schauspielstilen hin und her. Fast scheint es so, als habe die Farbe aus dem All nicht nur die Figuren, sondern den ganzen Film gekapert.

Das Ergebnis verströmt weder Retro-Charme, noch sprüht es vor Low-Budget-Witz. Und um nachhaltig zu verstören, sind die Spezialeffekte zu billig. Was man Richard Stanley jedoch zugutehalten muss, ist die Kompromisslosigkeit, mit der er diesen irren Höllenritt durchzieht.

Fazit: Von der gleichen Produktionsfirma wie "Mandy" (2018) reicht diese Lovecraft-Verfilmung nicht an den Kulthit heran. Nach einem stimmungsvollen Auftakt fällt dieser krude Scifi-Horror-Mix im letzten Akt krachend in sich zusammen. Die übliche Stangenware bekommt hier allerdings keiner geboten. Wer irre Trips jenseits des Mainstreams sucht, sollte für diesen Film ein Ticket lösen.




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