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The Great Green Wall
The Great Green Wall
© Weltkino Filmverleih

Kritik: The Great Green Wall (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die junge Generation vieler afrikanischer Regionen entwickelt längst ein eigenes kulturelles Selbstbewusstsein, das keine europäisch-amerikanischen Vorbilder sucht. Heimatliebe, politisches Interesse und Aufbruchstimmung finden dabei häufig ihren Ausdruck in der Musik, die die jungen Menschen auch über Ländergrenzen hinweg verbindet. Die malische Musikerin Inna Modja stellt ihre Kunst und ihre Bekanntheit hier in den Dienst eines Baumpflanzungsprojekts, das vor über zehn Jahren als panafrikanische Aktion begann.

Das Projekt soll als grüner Gürtel den Kontinent von Ost nach West auf Höhe der dürregeplagten Sahelzone durchziehen. Gemeinsam mit Musikern, die in ihren Ländern ebenfalls populär sind, bereist sie Regionen der Sahelzone und nimmt ein Mutmach-Album mit ihnen auf. Der Dokumentarfilmer Jared P. Scott begleitet sie auf dieser Reise, welche die Nöte und den Handlungsbedarf in der Sahelzone verdeutlicht.
Im Senegal ist das Baumprojekt schon gut vorangekommen. Die Senegal-Akazie trotzt der Dürre. Aber die Böden sind immer noch nicht genügend geschützt. Viele Menschen reden nur noch darüber, ob sie bleiben oder nach Europa gehen sollen. In Mali und in Nigeria kreisen die Gespräche, die Inna Modja führt, um den islamistischen Terror und seine Opfer. Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Dürre, der Zahl junger Männer, die sich der Miliz anschließen, den Menschen, die zur Flucht vor dem Terror gezwungen sind.

Die Musikerin macht auch einen Abstecher nach Niger, wo es die höchste Geburtenrate auf dem Kontinent gibt. Das Land gilt auch als Drehkreuz für die Flucht nach Europa. Eine Schätzung prophezeit, dass bis zum Jahr 2050 rund 60 Millionen Menschen Afrika verlassen. In Äthiopien haben Bauern in der Provinz Tigray nach der großen Dürre und Hungersnot der 1980er Jahre dörfliche Ländereien großflächig begrünt. Ihr Beispiel bezeichnet Inna Modja als vorbildlich für das Baumprojekt der Sahelzone.

Viel Musik durchzieht den Film. Inna Modja tritt mit anderen Musikern wie Didier Awadi aus Senegal, der Band Songhoy Blues aus Mali, der nigerianischen Popsängerin Waje, der äthiopischen Sängerin Betty G vor Publikum auf. Man sieht, wie die Live-Musik die junge Zuhörerschaft in den Dörfern mitreißt, wie die Mutmach-Texte ankommen. Diese Mission und der Film über sie transportieren glaubwürdig die Botschaft, dass der dringend nötige Wandel von unten kommen muss.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Jared P. Scott begleitet die aus Mali stammende Sängerin und Aktivistin Inna Modja auf ihrer Reise durch die Sahelzone. Sie wirbt in Ländern wie Senegal, Mali, Nigeria und Äthiopien für das Langzeitprojekt eines Gürtels aus Baumpflanzungen, der die Dürreregion vor weiterer Austrocknung schützen soll. Ihr oft mit anderen Künstlerkollegen und -kolleginnen auf der Bühne vorgetragene Appell an die Jugend lautet, dass sie im Land bleiben soll. Sehenswert macht den Film die optimistisch wirkende Verzahnung von Musik und gesellschaftlichem Aktivismus.








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