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Kritik: Waterproof (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Langfilmdebüt der deutschen Filmemacherin Daniela König überzeugt gleich auf mehreren Ebenen. Er zeigt zunächst einmal Frauen, die sich mit einer bislang vor allem Männern vorbehaltenen Tätigkeit in einer von reaktionären und rückständigen Ansichten geprägten Gesellschaft (Jordanien gehört zu den frauenfeindlichen Ländern der Welt) durchboxen – mit Wasserschlauch, Zange und Aufklärungsgesprächen über den sinnvollen Umgang mit Wasser. Dabei gewährt König intime und sorgsam beobachtete Einblicke nicht nur in den beruflichen Alltag der Frauen, sondern ebenso in deren Privatleben.

Neben Khwala und Aysha geht es zudem um Rehab, die geschieden ist, vier Kinder hat nebenbei in einem Fitness-Studio arbeiten muss um ihre Ausgaben zu decken. "Waterproof" zeigt Frauen, denen auf beispiellose und beachtenswerte Weise inmitten eines Königsreichs im krisengeschüttelten Nahen Osten etwas gelingt, wonach ein Großteil der Menschen im "reichen" Westen seit langem strebt: die bedingungslose Vereinbarkeit von Beruf, Familie persönlichen Leidenschaften. Dass nämlich die Arbeit als Klempnerinnen für die Hausfrauen mehr zu sein scheint als nur eine Beschäftigung, um Geld zum Überleben zu verdienen, wird in vielen, detailliert eingefangenen Szenen deutlich. Etwa wenn Khwala, Aysha und Rehab bei den Kundenbesuchen vor Ort, die Menschen ebenso geduldig wie konzentriert unterweisen und sie über die anstehenden Arbeiten informieren.

Mit ebenso viel Ehrgeiz und Unermüdlichkeit schreiten sie zur Tat: wenn sie Rohrbrüche reparieren, Wassertanks säubern oder bestimmte Vorrichtungen anbringen. Eben diese Leidenschaft sieht man auch bei den Treffen der Klempnerinnen-NGO, in deren Verlauf sich die Teilnehmerinnen angeregt über ihre (Lebens-) Situation oder die schwierige Lage ihrer Gründerin austauschen, die sich Vorwürfen des Machtmissbrauchs ausgesetzt sieht.

In diesen Momenten geht es nachdenklicher und ernster zu im mit interessanten Kameraperspektiven angereicherten "Waterproof" (König positioniert die Kamera mal im Inneren eines Tanks, mal auf einem, auf dem Dach eines Hauses angebrachten Behälter). Doch ebenso wie in unser aller Leben kehren in den Alltag der Frauen freilich auch heitere Stimmung und Ausgelassenheit ein. So zum Beispiel gleich zu Beginn des Films, wenn man die drei Protagonistinnen bei einer gut gelaunten Autofahrt beobachtet. Entwaffnend optimistisch und ansteckend wirkt ihre Lebensfreude, wenn sie sich – singend und lachend – auf den Weg zum nächsten Kunden aufmachen.

Fazit: Lebensnahe und fein beobachtete Doku über den Alltag dreier Klempnerinnen in Jordanien, deren Lebensfreude, Heiterkeit und Hoffnung zutiefst ansteckend wirkt.




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