VG-Wort

oder

Kritik: Suzi Q (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese Frau ist eine Wucht! 1,52 Meter geballte Power, die selbst mit mittlerweile 70 Jahren noch jede Bühne rocken. "The Wild One" eben, wie einer ihrer Songs heißt. Obwohl Suzi Quatro in ihrem Heimatland der richtig große Erfolg bis heute verwehrt geblieben ist, hat sie dort unzählige Musikerinnen beeinflusst. Quatros Lederoutfit ist so legendär wie ihr Bassgitarrenspiel versiert. Ohne ihr selbstbewusstes Auftreten hätte es The Runaways und deren auch Solo erfolgreiche Musikerinnen Joan Jett, Cherie Currie und Lita Ford ebenso wenig gegeben wie Debbie Harry und Blondie oder Donita Sparks und die Punkband L7. In Liam Firmagers Dokumentarfilm stehen sie gemeinsam mit männlichen Kollegen wie Alice Cooper und dem Schauspieler Henry Winkler Schlange, um vor Quatro den Hut zu ziehen.

Viele der Interviewten bringen ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, dass Suzi Quatro bei Mädchen und jungen Frauen keinen größeren Bekanntheitsgrad genießt. Firmagers Doku möchte das ändern. Und das ist gut so. Denn Quatros steiniger Weg zum Erfolg kann nicht nur heutigen Generationen als Inspiration dienen, der Blick zurück schadet schon deshalb nicht, um für die Frauenfeindlichkeit der Musikbranche im Speziellen und der Gesellschaft im Allgemeinen zu sensibilisieren. Eine Archivaufnahme etwa zeigt einen Fernsehmoderator, der Quatro vor laufender Kamera ungeniert auf den Hintern klatscht. Trotz solcher Ungeheuerlichkeiten verstand sich Quatro nie als Feministin. Emanzipation bestand für sie darin, einfach ihr Ding durchzuziehen – ohne Rücksicht auf Verluste.

Die Kollateralschäden dieses konsequenten Karrierewegs, der schon im unschuldigen Teenageralter begann, sind in Quatros Familie zu finden. Ihre Schwestern, mit denen sie zunächst in der Band The Pleasure Seekers, später in der Gruppe Cradle spielte, sind bis heute nicht gut auf Suzi zu sprechen. Sie fühlen sich im Stich gelassen und um die eigene Karriere betrogen. Suzi selbst bereut ihren Alleingang nicht, blickt einzig auf ihre verlorene Jugend mit Bedauern zurück. Aus diesen familiären Krisenherden und intimen Momenten, die die Protagonistin schon mal zu Tränen rühren, bezieht "Suzi Q" die größte Kraft. Denn der Rest läuft etwas zu geschmiert, wie eine gut geölte Rock-'n'-Roll-Tournee.

Firmager lebt in Melbourne, hat Suzi Quatro 2015 während ihrer Tour durch Australien kennengelernt und beschlossen, einen Film über sie zu drehen. Wie so vielen dokumentarischen Künstlerporträts ist auch "Suzi Q" ein Übermaß an Faszination für die im Zentrum stehende Person und ein Mangel an kritischer Distanz anzumerken. Gern schaut man sich das trotzdem an. Denn der Regisseur bereitet seine kleine Rockgeschichte erzählerisch zwar stur chronologisch, audiovisuell dafür umso ansprechender auf. Verspielt, laut, turbulent im Grunde also wie seine Protagonistin: wild!

Fazit: "Suzi Q" ist ein Dokumentarfilm über eine Musikerin, deren Lebens- und Karriereweg auch heutigen Generationen viel zu sagen hat. Dabei kommt er seiner Protagonistin sehr nah und wahrt nicht immer die nötige kritische Distanz. Schön anzusehen und anzuhören ist das trotzdem. Diese Doku rockt!




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.