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Die Besessenen
Die Besessenen
© Universal Pictures International

Kritik: Die Besessenen (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Die Besessenen" ist eine Adaption von Henry James' 1898 erschienener Novelle "The Turn of the Screw" über eine junge Gouvernante, die mit der Betreuung zweier Waisen auf einem Landsitz beauftragt wird und dort eine übernatürliche Bedrohung spürt. Das literarische Werk wurde schon oft verfilmt; die bekannteste Leinwandbearbeitung ist noch immer "Schloss des Schreckens" (1961) von Jack Clayton mit Deborah Kerr in der Hauptrolle. Das Drehbuch zur aktuellen Version stammt von den Zwillingsbrüdern Chad und Carey W. Hayes, die gemeinsam etwa auch das Skript zum Horror-Hit "Conjuring – Die Heimsuchung" schrieben. An diesen Erfolg vermag das Duo hier indes nicht anzuknüpfen.

Nach einer schwierigen Produktionsgeschichte kam "Die Besessenen" Anfang 2020 in die US-Kinos und fiel bei Kritik und Publikum gnadenlos durch; in Deutschland wurde er direkt als DVD und VoD veröffentlicht. Als größter Schwachpunkt wurde in den Verrissen zumeist das seltsam abrupte Ende genannt, das eine Lesart der Story einleitet, diese jedoch nicht vertieft. Ohnehin leidet der Film darunter, dass er die zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten der Vorlage zwar anreißt, aber kaum etwas damit anzufangen weiß. Die Regisseurin Floria Sigismondi, die neben etlichen Musikvideos und Serienepisoden den gelungenen Band-Film "The Runaways" (2010) inszeniert hat, setzt in erster Linie auf jump scares, die überwiegend ziemlich wirkungslos verpuffen. Zu den Stärken zählen derweil die Kameraarbeit von David Ungaro und die Gestaltung der Sets; hier lässt sich zwischen unheimlichen Puppen, dunklen Räumen, heulendem Wind und mysteriösen Stimmen eine solide Gruselatmosphäre erkennen. Letztlich ist dies allerdings zu wenig, um die reizlose Schilderung der Ereignisse zu kaschieren.

Dem Ensemble lassen sich wiederum keine Vorwürfe machen. Mackenzie Davis ("Terminator: Dark Fate") ist als Protagonistin Kate zwischen pädagogischem Ehrgeiz, Empathie und zunehmender Angst ebenso überzeugend wie Finn Wolfhard ("Stranger Things") und Brooklynn Prince ("The Florida Project") in ihren Rollen als verstörte Kinder.

Fazit: Eine ordentlich gespielte und ansprechend ausgestattete Literaturverfilmung, die zu fahrig erzählt ist und sich vor allem auf selten effektive Schocks verlässt.




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