VG-Wort

oder
Mrs. Taylor's Singing Club
Mrs. Taylor's Singing Club
© Leonine Distribution

Kritik: Mrs. Taylor's Singing Club (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Über Sinn und Unsinn deutscher Verleihtitel lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Erst vergangene Woche startete der Film "Eine Frau mit berauschenden Talenten", der im französischen Original schlicht "La Daronne" heißt, was man wahlweise mit "Die Alte" oder "Die Mutter" übersetzen kann. In dieser Woche läuft nun die britische Komödie "Mrs. Taylor's Singing Club" an. Das klingt zwar ziemlich nach Originaltitel – selbst der Apostroph sitzt ja richtig –, ist aber lediglich der Titel für den hiesigen Markt. Im englischsprachigen Raum läuft Peter Cattaneos Rückkehr auf die große Leinwand unter dem Namen "Military Wives", was dem Inhalt denn auch erheblich näher kommt.

Die von Kristin Scott Thomas mit unnachahmlicher Pedanterie und unnachgiebiger Penetranz gespielte Offiziersgattin Kate Taylor leitet nämlich weder einen "Singing Club", sondern schlicht und einfach einen Chor, noch heißt sie im englischsprachigen Original mit Nachnamen Taylor. Sie und ihre Mitstreiterinnen sind indes samt und sonders Ehefrauen von Soldaten (und einer Soldatin), womit wir beim Filmthema wären. Frauenchöre von Angehörigen des britischen Militärs gibt es tatsächlich. Der erste wurde 2011 gegründet. Inzwischen zählt die gemeinnützige Organisation "Military Wives Choirs" 75 Chöre. Ganz am Ende des Films sind alle in einer riesigen Splitscreen-Montage zu sehen.

Für den Regisseur Peter Cattaneo ist das ein dankbares Thema. Dass der Regisseur absonderliche Themen zu erhebenden Erfolgsgeschichten verarbeiten kann, hat er bereits früh in seiner Karriere mit seinem bislang größten Erfolg "Ganz oder gar nicht" (1997) nachgewiesen. Seinerzeit zeigte er arbeitslose Männer, die sich als Stripper neu erfinden. Jetzt zeigt er sich um ihre Männer sorgende Frauen, die sich als Sängerinnen Gehör verschaffen. Damals wie heute setzt Cattaneo auf eine Mischung aus bodenständigen Charakteren und gemeinschaftsstiftenden Erlebnissen, in denen sich tragische und komische Momente verbinden. Die perfekten Zutaten für eine Wohlfühlkomödie.

Wie in diesem Subgenre üblich, läuft zwar nicht alles, aber sehr vieles vorhersehbar ab. Rosanne Flynns und Rachel Tunnards solides Drehbuch birgt keine allzu großen Überraschungen. Ebenso solide setzt Cattaneo das Skript in allen Gewerken um. Was den Film sehenswert macht, ist in erster Linie das Duell der zwei ganz unterschiedlichen Alphafrauen Kate und Lisa, von Kristin Scott Thomas und Sharon Horgan überzeugend verkörpert. Dieser Richtungsstreit mit versöhnlichem Ende hätte durchaus etwas mehr Würze vertragen können, hätte dadurch aber vermutlich das süßliche Ende versalzen. So bleibt diese Komödie zwar eine in allen Belangen geschmackvolle, aber auch eine leicht verdauliche.

Fazit: Nach einer längeren Pause auf der großen Leinwand kehrt der Regisseur Peter Cattaneo mit diesem Film ins Kino zurück. Wie schon sein größter Erfolg "Ganz oder gar nicht" (1997) ist auch "Mrs. Taylor's Singing Club" durch und durch eine Wohlfühlkomödie. Gut besetzt und gespielt, bleibt der Film stets vorhersehbar und ist letztlich ziemlich leicht verdaulich.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.