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Schlaf
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Schlaf (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nach einigen Kurz-Spielfilmen und einem Kurz-Experimentalfilm legt der aus Jena stammende Drehbuchautor und Regisseur Michael Venus mit "Schlaf" sein Langfilmdebüt vor. Er studierte zunächst Visuelle Kommunikation in Weimar, später folgte ein Regie-Studium an der Hamburg Media School. Mit seinem Team, zu dem mit Sandra Hüller auch eine der aktuell gefragtesten deutschsprachigen Schauspielerinnen gehört, drehte er "Schlaf" unter anderem in der niedersächsischen 15-000-Seelen-Gemeinde Clausthal-Zellerfeld.

Der von Venus atmosphärisch in Szene gesetzte abgeschiedene Handlungsort von "Schlaf" trägt zu großen Teilen zur bedrohlichen, unheilvollen Stimmung des Films bei. Clausthal-Zellerfeld, der Hauptdrehort, ist eine malerisch anmutende und von Wald umschlossene Fachwerkkleinstadt, die geprägt ist von engen Gassen und verwinkelten Straßenzügen – und den perfekten Schauplatz für "Schlaf" darstellt.

Zudem versteht Venus das Spiel mit rätselhaften Verweisen und metaphorischen Andeutungen ganz vorzüglich, vor allem mit tierischer Symbolik. Die abgründigen Traum-im-Traum-Sequenzen, unerwartete Schockmomente und eine immer weiter voranschreitende Verschmelzung von Schein und Wirklichkeit tragen darüber hinaus zu jener beklemmenden Note bei, die den ganzen Film durchzieht. Und sich unmittelbar auf den Kinobesucher überträgt. In all diesen Szenen erweist sich "Schlaf" als stilsicher inszenierter, wirkungsvoller psychologischer Mystery-Thriller mit Horror-Touch.

Das große Problem ist, dass der Film, je länger er dauert, immer fahriger, überladener und verworrener wird. Es kostet Anstrengung und erfordert unabdingbare Aufmerksamkeit, um den Überblick zu bewahren. Zudem entsteht aufgrund der Vielzahl an immer neuen Enthüllungen sowie auftretenden Personen (etwa eine sonderbare blasse Frau, die ein Schlüssel zu Marlenes Vergangenheit darstellt) beim Betrachten vor allem eines: zunehmende Verwirrung. Ein paar sehr billige, trashig wirkende Effekte (Stichwort: Feuer) hätte man sich zudem sparen können.

Fazit: Atmosphärischer, vor finsterer Kulisse angesiedelter Mystery-Horror-Thriller über nicht bewältigte Traumata und die Ausweglosigkeit der Verdrängung, dem im letzten Drittel die Luft ausgeht und der sich final in einem konfus-chaotischen Handlungsverlauf verstrickt.




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