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Gloria Mundi - Rückkehr nach Marseille (2019)

Gloria Mundi

Auch in seinem neuen Drama blickt der französische Regisseur Robert Guédiguian auf Menschen, die am Existenzminimum in Marseille leben.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Die neugeborene Gloria soll es einmal besser haben als ihre Eltern Mathilda (Anaïs Demoustier) und Nicolas (Robinson Stévenin). Als Verkäuferin und selbstständiger Chauffeur für einen Online-Fahrdienst stecken Mathilda und Nicolas ständig in Geldnöten. Ohne die Hilfe von Mathildas Eltern Richard (Jean-Pierre Darroussin) und Sylvie (Ariane Ascaride) und von Mathildas soeben aus dem Gefängnis entlassenem leiblichen Vater Daniel (Gérard Meylan) wären sie aufgeschmissen. Obwohl beide bereits das Rentenalter erreicht haben, rackern sich Richard und Sylvie immer noch als Busfahrer und Putzfrau ab. Wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitsschichten bekommen sie sich kaum zu Gesicht.

Mathildas Halbschwester Aurore (Lola Naymark) und ihrem Mann Bruno (Grégoire Leprince-Ringuet) geht es ein wenig besser. Die zwei betreiben einen Laden, der Gebrauchtwaren ankauft, repariert und teurer weiterverkauft. Ihr Geschäftsmodell ist jedoch auf die Armut anderer angewiesen. Und ihre Welt ist nur scheinbar heil.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Robert Guédiguian ("Die Stadt frisst ihre Kinder ", "Der Schnee am Kilimandscharo") bleibt sich treu. Der Regisseur ist 1953 in Marseille geboren. Hier siedelt er fast all seine Spielfilme an und blickt mitfühlend, aber niemals mitleidig auf randständige Menschen. Auch in "Gloria Mundi", der bereits 2019 bei den Filmfestspielen in Venedig seine Weltpremiere feierte, corona-verzögert aber erst jetzt in unsere Kinos kommt, geht es um ökonomische Zwänge.

In einem Statement zum Film zeigt sich Guédiguian überzeugt, dass das Kinopublikum sowohl Komödien als auch Tragödien brauche, um unseren westlichen Lebensstil weiter infrage zu stellen. In "Gloria Mundi" nimmt Guédiguian sein Publikum mit in eine Welt, in der dieser Lebensstil bereits pervertiert ist. Seine alten Protagonisten rackern sich ab, damit es ihren Kinder einmal besser geht als ihnen. Doch das kapitalistische Versprechen löst in diesem Film nur derjenige ein, der andere ausbeutet. Hier nimmt keiner den Reichen etwas weg und verteilt es unter den Armen. Stattdessen schlagen Arme aus der Armut noch ärmerer Menschen Profit.

Guédiguian, der das Drehbuch zusammen mit Serge Valletti geschrieben hat, erzählt seine Gesellschaftsparabel durch die Linse einer Familie. Unauffällig inszeniert, schreitet die Handlung ganz gemächlich, aber sehr wendungsreich und überraschend voran. "Gloria Mundi" ist ein mitfühlendes Drama, das allerdings nur selten mitreißt. Dafür bleibt der Film letzten Endes zu distanziert. Zum Nachdenken regt er dennoch an. Und wer weiß, vielleicht verbirgt sich hinter dem Filmtitel ja ein Hoffnungsschimmer. Denn so wie der Ruhm der Welt vergeht ("Sic transit gloria mundi"), ist am Ende vielleicht auch unser derzeitiges Wirtschaftssystem vergänglich.

Fazit: Vor dem Hintergrund der pittoresken Mittelmeermetropole Marseille erzählt Robert Guédiguian vom Prekariat. "Gloria Mundi" ist ein mitfühlendes Drama über eine Welt, der es an Mitgefühl mangelt. Guédiguian macht nachvollziehbar, wie es dem Kapitalismus gelingt, Menschen des gleichen sozialen Stands die Solidarität auszutreiben und wie er sie stattdessen dazu (ver)führt, sich gegenseitig auszubeuten. Das gibt zu denken, reißt aber nicht recht mit.




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Land: Frankreich, Italien
Jahr: 2019
Genre: Drama
Länge: 107 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 13.01.2022
Regie: Robert Guédiguian
Darsteller: Ariane Ascaride als Sylvie Benar, Jean-Pierre Darroussin als Richard Benar, Gérard Meylan als Daniel
Verleih: Film Kino Text

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