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Yummy
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Kritik: Yummy (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Der Horror hat im Kino weiterhin Hochkonjunktur. Ob dem Publikum angesichts des ganz realen Schreckens in diesen pandemischen Zeiten die Lust am fiktionalen Schauder irgendwann vergehen wird, wird sich erst noch zeigen. In der Zwischenzeit rollt mit Lars Damoiseaux' schnell konsumierbarem und ebenso schnell wieder vergessenem Streifen "Yummy" die nächste Variation der nicht enden wollenden Zombie-Welle in die gerade erst wieder eröffneten Lichtspielhäuser.

"Yummy" ist Damoiseaux' Langfilmdebüt, Belgiens erster professionell produzierter Zombiefilm, lief unter anderem bei den Fantasy Filmfest Nights und wartet durchaus mit einer interessanten Prämisse auf. Nach Zombies in der Kneipe ("Shaun of the Dead"), im Büro ("Mayhem", u. a.) und im Zug ("Train to Busan") lauern die Untoten dieses Mal in einer Schönheitsklinik. An einem Ort, an dem sich Menschen freiwillig unters Messer legen und mitunter bis zur zombiehaften Unkenntlichkeit verunstalten lassen, liefern sie sich nun mit echten Untoten einen Kampf bis aufs Messer. "Zwischen Facelifts und Fettabsaugungen geht es ums nackte Überleben!", verkündet eine Pressenotiz verheißungsvoll. Wahrlich keine schlechte Ausgangslage.

Dumm nur, dass Damoiseaux und seine Crew – von Co-Autorin Eveline Hagenbeek über das Schauspielensemble um Maaike Neuville und Bart Hollanders bis zu Kameramann Daan Nieuwenhuijs und dem Spezialeffekte-Team – so rein gar nichts daraus machen. "Yummy" ist weder originell erzählt, noch sieht er in irgendeiner Weise originell aus. Die Effekte sind zwar liebevoll handgemacht, verfehlen jedoch ihren Effekt. Schauspiel, Dialoge und die dürftige deutsche Synchronisation sind unfreiwillig komisch.

Wirklich witzig ist das aber leider nicht, weil dem Regisseur das richtige Maß bei der Dosierung von Blut und Brüllern abgeht. "Yummy" möchte in einer Liga mit den Splatterkomödien eines Sam Raimi ("The Evil Dead") oder Peter Jackson ("Braindead") spielen, das merkt man dem Film in jeder Minute an, bleibt in diesem Bemühen aber unheimlich verkrampft. Die Pointen sind plump und aufgesetzt; wirklich gelungen ist keine. Die Gewalt wiederum ist oft viel zu fies und brutal, um noch lustig sein zu können. Hier passt wenig bis nichts zusammen. Gepaart mit den blutleeren Performances ist die vorhersehbare Handlung alsbald hirntot.

Fazit: Die neueste Splatter-Platte kommt aus Belgien. Appetitlich, wie es der Titel suggeriert, ist die Zombie-Kost, die Lars Damoiseaux seinem Publikum hier auftischt, allerdings nicht. Dafür fehlt seiner Horrorkomödie nicht nur der Charme, sondern vor allem die richtig dosierte Würze. Vom üblichen Zombie-Einheitsbrei hebt sich "Yummy" nicht die Bohne ab.




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