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Kritik: Pandemie (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der koreanische Film des Regisseurs Sung-su Kim stammt zwar aus dem Jahr 2013, wirkt aber in Zeiten der Corona-Krise aktueller denn je. Er entwirft ein erschreckendes Szenario einer Epidemie, die rasch außer Kontrolle gerät. Sie wird mit hektischen Maßnahmen bekämpft, die selbst tödlich sind. Der Wettlauf mit der Zeit, um einen Impfstoff zu finden, gerät dabei fast ins Hintertreffen. Die Handlung beginnt recht flott und humorvoll mit der sich anbahnenden Romanze des Rettungsdienst-Mannes Jigu und der Ärztin Kim In-hye. Später verwandelt sich die Handlung in einen Katastrophen-Thriller mit viel Action.

Warum sollte man sich in Zeiten der Corona-Pandemie ausgerechnet diese Geschichte ansehen, anstatt sich mit anderen, erbaulicheren Stoffen abzulenken? Obwohl es in dem Film hart zur Sache geht, ist der Grundton optimistisch. Der anfängliche Humor und die aufgeweckten Hauptfiguren sorgen für eine unterhaltsame Atmosphäre. Es fühlt sich nicht wirklich belastend an, aus der Distanz gegenüber einem fiktionalen Stoff die Parallelen zur heutigen Realität zu reflektieren.

Als einer der ersten Infizierten in einem Laden zu husten anfängt, werden die Tröpfchen und Aerosole sichtbar, die im Nu die anderen Menschen im Raum erreichen. Vor wenigen Monaten hätte man solche Bilder wohl noch für übertrieben gehalten. Es ist auch hoch interessant, hier vor Augen geführt zu bekommen, wie die ersten Maßnahmen zur Eindämmung, obwohl sie schnell getroffen werden, der realen Entwicklung hinterherhinken. An allen Ecken und Enden ploppen neue Infektionsherde und Gefahrenquellen auf.

Sehr realitätsnah geschildert wirkt auch der Kampf der Meinungen, was nun medizinisch und behördlich zu tun sei. Es treten schließlich Politiker auf, die die Menschen in Bundang opfern wollen, um den Rest des Landes und der Welt vor Infektionen zu schützen. Der politische Machtkampf wird auf Messers Schneide geführt, während draußen Kampfbomber aufziehen.

Das emotionale Herz des spannenden Films ist das Dreiergespann, das die jungen Ärztin, ihre lebhafte kleine Tochter und Jigu bilden. Immer wieder werden sie getrennt, müssen sich verstecken, zu Tricks greifen und großen Mut beweisen. Mit drastischen Bildern gibt der Film zu bedenken, wie rasch Menschen bereit sein können, andere für ihr Überleben zu opfern. Aber er erzählt auch nicht minder einprägsam, wie Leute ihr Gewissen neu entdecken, ihre Vernunft und Solidarität.

Fazit: Der in Corona-Zeiten verblüffend aktuell wirkende koreanische Katastrophenfilm stammt bereits aus dem Jahr 2013. Er schildert mit vielen Parallelen zur heutigen Wirklichkeit und dennoch fiktional genug, um als Spielfilm zu unterhalten, wie sich ein tödliches Virus in einer Stadt ausbreitet. Während eine Ärztin mit Hilfe eines jungen Mannes um das Leben ihrer Tochter kämpft, lassen die Politiker bereits Infizierte töten. Besonders spannend ist an diesem gelungenen und anfangs auch humorvollen Film der Kampf der Vernunft und Solidarität gegen Panik und Menschenverachtung.




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