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Kritik: The Fare (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"The Fare" ist eine US-Independent-Produktion aus dem Jahr 2018, die jetzt coronabedingt in den deutschen Kinos landet, und mit "Independet" ist in diesem Fall wirklich "unabhängig produziert" gemeint, und nicht das beliebte Label "Indie", mit dem man lange Zeit anspruchsvollere Ware aus Hollywood versehen hatte. Dass es sich hier um eine Low Budget-Produktion handelt, merkt man an allen Ecken und Enden: Die Kameraperspektiven zeugen von minimalem Effort (oder minimalen Möglichkeiten), die Farbgebung (mal schwarz-weiß, mal farbig) wirkt teilweise billig, die Aufnahmen aus dem Innenraum des Taxis, die rund 90 % des ganzen Films ausmachen, wurden offensichtlich im Studio in einer Taxi-Attrappe gedreht und mit Aufnahmen eines fahrenden Autos unterschnitten.

Auch Storytelling und Inszenierung offenbaren wenig Routine, sowohl Drehbuch (von Brinna Kelly, zugleich Darstellerin der Penny), als auch Regie (D.C. Hamilton) wirken wie erste, vorsichtige Versuche von Anfängern, die gerade erst ihr Handwerk erlernen. Das muss nun alles noch kein Nachteil sein, aber in Zeiten, wo jede/r mit Smartphone bewaffnet kleine Filmchen drehen kann, fällt diese biedere und geradezu holzschnittartige Machart doch besonders auf, und das nicht umbedingt positiv.

Warum "The Fare" trotzdem mehr ist als das gescheiterte Projekt von Möchtegern-Filmemachern, von denen es weltweit bekanntlich genug gibt, liegt daran, dass der Film mit der Zeit doch einen seltsamen, schwer erklärbaren Charme entwickelt und der Plot - mag er auch teilweise etwas unbeholfen wirken - in Ansätzen Spannung erzeugen kann: Man will als Zuschauer wissen, was es mit dieser unerklärlichen Zeitschleife auf sich hat, warum Taxler Harris immer wieder in der selben Situation landet und wer denn nun diese mysteriöse Penny ist, die der Schlüssel des Rätsels zu sein scheint. Ohne zu viel zu verraten: Die Auflösung ist ebenso seltsam wie der Rest des Films, geradezu altmodisch, aber doch wieder irgendwie sympathisch. "Sympathisch", das trifft auch auf die Figur Penny zu und auf ihre Darstellerin Brinna Kelly, die eine sehr nuancierte und feine Leistung abliefert, der man gerne zusieht, wozu auch ihr ansehnliches Äußeres seinen Teil beiträgt. Der weitaus bekanntere Gino Anthony Pesi hingegen liefert als Harris nur eine solide Performance ab, wirkt oftmals etwas hölzern und überzeugt weit weniger als sein weiblicher Gegenpart.

Fazit: Ein netter, kleiner Mystery-Film mit romantischen Anklängen, von der Machart her durch und durch "Indie", was in diesem Fall nicht unbedingt ein Kompliment ist: Alles wirkt etwas krude und unausgegoren und mit mehr Aufwand wäre ein bessere Ergebnis zu erzielen gewesen. So bleibt ein durchschnittlicher Film, der seine Ansehnlichkeit vor allem seinem seltsamen Charme zu verdanken hat, den er verströmt.




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