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Binti - Es gibt mich!
Binti - Es gibt mich!
© barnsteiner-film

Kritik: Binti - Es gibt mich! (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Gute Kinderfilme machen um schwierige Themen keinen Bogen. Sehr guten gelingt es, diese Themen verständlich, herzlich und klug ans junge Publikum zu bringen – idealerweise so, dass auch die ältere Generation aus dem Kinosaal etwas mit nach Hause nimmt. All das schafft die Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Frederike Migom, die nach mehreren Kurzfilmen mit "Binti" ihr Debüt auf der Langstrecke gibt.

Migoms Erstling ist gut geschrieben und vorzüglich besetzt. Ihr Drehbuch setzt geschickt auf zwei Figuren, die trotz aller Unterschiede viel verbindet. Bintis Angst vor der Abschiebung spiegelt Elias' Wut über den Verlust seines Vaters. Im Schicksal der Okapis klingen die Folgen des europäischen Kolonialismus an. Und so verschieden Bintis und Elias' Hobbys auch sein mögen, lassen sie sich perfekt zu einem gemeinsamen Interesse verbinden. Jedes Kind begreift hier, dass Menschen überall auf der Welt dieselben Erfahrungen machen, dass geteiltes Leid halbes Leid und geteilte Freude doppelte Freude ist.

Dank Mo Bakker und Bebel Tshiani Baloji steht dieser Film nie still. Die Chemie zwischen den zwei Nachwuchsdarstellern stimmt. Vor allem Letztgenannte ist ein echter Wirbelwind. So einfach wie im Film lassen sich die darin thematisierten Probleme in der Realität zwar nicht lösen. Aber wer wünschte sich nicht eine Welt, in der das so spielerisch, einfallsreich und menschlich gelänge?

Fazit: Der Debütantin Frederike Migom ist ein einfühlsamer und mitreißender Kinderfilm geglückt, der um schwere Themen wie Umweltschutz und Asyl- und Einwanderungspolitik keinen Bogen macht. Ein charmanter, herzlicher und kluger Film für alle Altersklassen.




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