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Die Stimme des Regenwaldes
Die Stimme des Regenwaldes
© Camino

Kritik: Die Stimme des Regenwaldes (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Vier Jahre nach seinem Drama "Amateur Teens" kehrt der Schweizer Regisseur Niklaus Hilber mit der Verfilmung der Lebensgeschichte von Bruno Manser zurück auf die große Leinwand. Insgesamt sechs Jahre, von 1984 bis 1990, lebte Manser bei dem Nomadenstamm im Dschungel. Dann musste er in seine Schweizer Heimat fliehen. Er wurde zuvor von der malaysischen Regierung zur "unerwünschten Person" erklärt, außerdem setzte man ein Kopfgeld auf ihn aus. Dennoch kehrte er im Jahr 2000 zurück nach Borneo. Seit Mai desselben Jahres gilt er als vermisst.

"Die Stimme des Regenwaldes" (der Titel ist angelehnt an ein Buch, das Manser 1992 veröffentlichte) lebt von der ersten Minute an von einer beachtlichen Authentizität und Glaubwürdigkeit. Das liegt zum einen am Schauplatz bzw. Handlungsort: Hilber und seinem Team gelang es, tatsächlich im Dschungel zu drehen und echte Penan als Statisten zu gewinnen. Im indonesischen Teil Borneos fand er jene Flora und Fauna vor, von der auch der echte Manser damals so beeindruckt war.

Beeindruckend und nachdrücklich sind die Bilder, die Hilber präsentiert, um das Leben in jener unwirtlichen, aber auch wunderschönen Natur zu visualisieren. Schon in den ersten 15 Minuten, die Manser bei seiner Suche nach dem Nomadenvolk zeigen, begeistert "Die Stimme des Regenwaldes" mit imposanten, epischen Luftaufnahmen und tollen Einstellungen der unvergleichlichen Natur. Zur (fast dokumentarischen) Unmittelbarkeit und dem überzeugenden Realismus trägt zudem die Tatsache bei, dass sich die Pena und Manser im Film in der Originalsprache der Ureinwohner unterhalten – inklusive Untertitel.

Das Erzähltempo des 140 Minuten langen, chronologisch erzählten Films ist zwar sehr ruhig und gemächlich, allerdings trägt dies zur hypnotischen Gesamtwirkung bei. Großartig in der Rolle des Aktivisten Manser, der sein Leben dem Kampf um den Erhalt des Regenwaldes widmete, ist der 31-jährige Hauptdarsteller Sven Schelker, der mit schier mit unbändiger Energie und Willenskraft agiert. Und die Themen des Films (der Kampf gegen Kapitalismus, Umweltzerstörung, machhungrige und gewinnorientierte Konzerne) könnten in Zeiten von "Fridays von Future" und der voranschreitenden Abholzung des brasilianischen Regenwaldes nicht aktueller sein.

Fazit: Ungeschöntes, brillant bebildertes Biopic, das durch seinen hohen Realismus und die glaubhaften Darstellerleistungen überzeugt.




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