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Kritik: Von Liebe und Krieg (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit diesem Liebesdrama aus der Zeit des Ersten Weltkriegs erinnert der dänische Regisseur Kasper Torsting an die dänischstämmigen Männer Nordschleswigs, die gezwungen waren, unter deutscher Flagge zu kämpfen. Ihre Heimat gehörte damals zum Deutschen Kaiserreich. Die auf einer wahren Geschichte basierende Handlung beinhaltet zwar auch ein paar Szenen, die das Grauen an der Kriegsfront schildern, entwickelt sich aber rasch zum packenden Liebesdrama.

Nachdem der Hauptcharakter Esben aus Frankreich zu Frau und Kind zurückgekehrt ist, ist der Krieg für ihn nicht beendet, sondern geht nur auf andere Weise weiter. Denn der deutsche Offizier Gerhard, der ein Auge auf Ebsens Frau geworfen hat, sitzt am längeren Hebel und zwingt Ebsen faktisch, Zaungast in seinem eigenen Leben zu werden.

Um nicht zurück an die Front zu müssen, flieht Ebsen, fingiert mit Hilfe von Nachbarn seinen eigenen Tod und versteckt sich auf dem Dachboden seines Hauses. Wenn Besuch kommt, späht er durch die Ritzen hinunter und wird schier verrückt vor Eifersucht. Die Dreiecksgeschichte, in deren Zentrum seine Frau Kirstine steht, entwickelt nach und nach eine aufwühlende Dynamik. Ebsen und Kirstine kämpfen trotz aller Widrigkeiten um ihre Liebe. Aber die Distanz, die Kirstine zum stets hilfsbereiten Gerhard wahrt, erscheint ihr allmählich auch fragwürdig, gerät zur löchrigen Fassade, je länger Ebsen zur Isolation verdammt ist. Das Schicksal von Ebsens kriegsversehrtem Freund Jes, der vom bösartigen Offizier Hansen erniedrigt wird, führt Ebsen nur noch drastischer vor Augen, wie sehr sich die Lage daheim verändert hat.

Die drei Hauptcharaktere Esben, Kirstine und Gerhard werden eher zurückhaltend, aber dafür sehr differenziert gespielt. Nach und nach entwickelt ihr emotionales Tauziehen eine Spannung, die einen bis zur letzten Minute nicht mehr loslässt. Auch die visuelle Gestaltung überzeugt, mit ihren imposanten, wiederholt aus Untersicht gefilmten Aufnahmen. Über die Landschaft, die Gebäude, die Begegnungen hat sich in jenem Winter eine düstere Stimmung gelegt, die schnell bedrohliche Züge annehmen kann. Da gleitet einmal ein riesiger Zeppelin lautlos über den Baumwipfeln dahin, als werfe ein erbarmungsloses Schicksal seine Schatten voraus. Dieser gelungene, für die große Leinwand gemachte Film scheut Gefühle nicht, sondern folgt ihnen mit großem Ernst.

Fazit: Den historischen Hintergrund dieses fesselnden Dramas bildet die Zugehörigkeit Nordschleswigs zu Deutschland während des Ersten Weltkriegs. Wie so viele dort beheimatete dänische Männer muss auch der Hauptcharakter Esben ein deutscher Soldat werden. Regisseur Kasper Torsting schildert mit wachsender Spannung, wie Esben nach seiner Rückkehr ins Abseits gerät und ein deutscher Offizier seiner Frau den Hof macht. Das zurückhaltende Spiel der Darsteller im Zentrum betont den ernsthaften Charakter dieses gefühlvollen Dramas über drei Menschen im Kampf gegen die Macht des Schicksals.




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