oder

Kritik: Driveways (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Driveways", der zweite Spielfilm des koreanisch-amerikanischen Regisseurs Andrew Ahn, wurde erstmals auf der Berlinale 2019 gezeigt. Das Drehbuch von Hannah Bos und Paul Thureen erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem introvertierten Grundschüler und einem lakonischen Witwer. Sowohl in der Figurenzeichnung als auch in der ruhigen Inszenierung vermag das US-Drama zu überzeugen – und bietet obendrein äußerst einfühlsame Schauspielleistungen.

Das Skript des Films demonstriert, dass in einem vergleichsweise überschaubaren Plot überraschend viel Tiefe stecken kann, da es sich intensiv mit seinem Personal und dessen Hintergründen befasst. Der kleine Protagonist Cody sowie dessen Mutter Kathy und der Nachbar Del werden durch viele Details zu komplexen Charakteren. Ohne Sentimentalität werden tragische Erlebnisse in deren Biografien erkennbar; elegant wird Codys Coming-of-Age-Geschichte mit Kathys Situation und Dels Backstory verbunden. Allen drei Generationen wird der nötige Raum gegeben. Die visuelle Umsetzung beherzigt dabei Dels Rat, auf die Kleinigkeiten zu achten; die Kamera von Ki Jin Kim erweist sich als aufmerksame Beobachterin. In den Worten und Bildern von "Driveways" wird deutlich, dass es letztlich darauf ankommt, freundlich zueinander zu sein, andere Menschen und deren Nähe wertzuschätzen und zugleich ein Bedauern über verpasste Chancen und begangene Fehler zuzulassen. Am Rande gibt das Werk auch interessante Einblicke in den Kleinstadtalltag, etwa wenn Del seine Freunde bei einer regelmäßigen Bingo-Veranstaltung trifft.

Nicht zuletzt begeistert die Besetzung. Der junge Lucas Jaye ist eine echte Entdeckung; Hong Chau ("Downsizing") spielt die Mutter des Jungen nuancenreich zwischen Pragmatismus und Zärtlichkeit. Und der im April 2020 verstorbene Schauspiel-Veteran Brian Dennehy ("Rambo", "Cocoon") liefert eine herzergreifende Performance. In der Interaktion ist dieses Trio schlichtweg großartig.

Fazit: Ein wunderbar stiller, kluger und schöner Film mit einnehmenden Figuren und einem perfekt miteinander harmonierenden Ensemble.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.