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Kritik: Ruben Brandt (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Zeichentrickfilme sind heutzutage fast ausschließlich Kinderkram. Die Zeiten von erotischer bis knallharter Kost von "Sen'ya ichiya monogatari" (1969) über "Fritz the Cat" (1972) bis hin zu "When the Wind Blows" (1986), um nur einige Meilensteine zu nennen, scheinen längst vorüber zu sein. Während animierte Unterhaltung für Erwachsene in Japan weiterhin floriert, hat sie sich im Westen inzwischen ins serielle Fernsehformat geflüchtet. Hin und wieder schaffen es aber auch hierzulande erwachsene Stoffe in die Kinos, etwa "Persepolis" (2007) und "Waltz with Bashir" (2008), "Alois Nebel" (2011) oder jüngst "Cinderella the Cat" (2017) und "Have a Nice Day" (2017). Auch "Ruben Brandt" zählt dazu und entführt sein Publikum in eine Welt, die es so noch nie zuvor gesehen hat.

Hinter dem bereits 2018 entstandenen Film steckt Milorad Krstić. Der ungarische Maler, Multimedia-Künstler, Fotograf und Regisseur hat sein eigenes Drehbuch verfilmt. Herausgekommen ist eine höchst kreative und äußerst sehenswerte Mischung aus Kriminalfilm, Psychogramm und Traum(analyse). Ein wilder Ritt durch die Kunst- und Filmgeschichte, durch Popkultur und Popmusik – irgendwo zwischen Sigmund und Lucian Freud angesiedelt. Und das alles im Gewand eines Animationsfilms, der selbst ein kleines Gesamtkunstwerk darstellt.

Die temporeiche Handlung nimmt irre Wendungen und wartet mit einer gelungenen Schlusspointe auf. Auch wenn die Animationen durchweg dem Kubismus nahestehen, deckt Krstić alle Stilepochen ab. Beinahe in jeder Einstellung sind gleich mehrere Zitate und Andeutungen versteckt. So kommt in keiner Sekunde Langeweile auf. Dieser Film ist aber nicht nur rasant und augenzwinkernd erzählt und sieht nicht nur umwerfend aus, er spielt auch mit den Möglichkeiten des Mediums. Ruben Brandt, Mimi & Co. sind flexible Figuren, deren Körper Dinge vollführen, die nur Zeichentrickfiguren möglich sind. Ein gelungenes Stilmittel, das wie die eingangs erwähnten Geschichten für ein erwachsenes Publikum leider immer seltener Verwendung findet.

Fazit: "Ruben Brandt" ist ein andeutungsreicher, rasant und abwechslungsreich erzählter und toll animierter Stilmix, der Kriminalfilme, den Kunstbetrieb und die Psychoanalyse hintersinnig auf die Schippe nimmt. Ein toller Animationsfilm für Erwachsene, die ganz nebenbei spielerisch und leichtfüßig Wissen vermittelt bekommen.




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