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Srbenka
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© Rise and Shine Films GmbH

Kritik: Srbenka (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Srbenka", Serbin, so schlicht und einfach ist der Titel dieses Dokumentarfilms. Ein unscheinbares Wort und doch mit so viel Bedeutung aufgeladen. Aleksandra Zec, die von Milizionären ermordet wurde, war eine in Kroatien lebende Serbin. Eine Zuschauerin, die nach Oliver Frljić' Theaterstück Rede und Antwort steht, ist ebenfalls Serbin und zutiefst erschüttert. Ähnlich mitgenommen ist die zwölfjährige Nina, die im Stück gemeinsam mit ein paar gleichaltrigen Mädchen eine kleine Rolle spielt. Dass auch sie serbische Wurzeln hat, verschweigt sie in ihrer Schulklasse aus Angst vor ihren Klassenkameraden. Denn aus deren Mund wird aus diesem unscheinbaren Wort eine Beleidigung.

Oliver Frljić hat ein wortmächtiges Theaterstück über die Macht der Worte geschrieben. Über vermeintlich harmlose Worte, die grausame Taten nach sich ziehen. Der Dokumentarfilmer Nebojša Slijepčević fängt die Proben zu diesem Stück klug ein. Weder zeigt sein Film die Handlung des Theaterstücks in Gänze, noch rückt er entscheidende Szenen des Stücks in den Fokus. Stattdessen bekommt das Kinopublikum immer nur Bruchstücke und Ausschnitte zu sehen, zum Beispiel die Reaktionen des Regisseurs Frljić auf das Spiel seiner Darsteller*innen.

Das Ergebnis ist ein ungemein immersiver und intensiver Dokumentarfilm. Die Proben sind laut und nervenaufreibend und gehen dem Ensemble sichtlich an die Nieren. Dessen Emotionen übertragen sich mühelos auf den Kinosaal. Dabei wird schnell deutlich, dass die tiefen Wunden, die die Kriege auf dem Balkan gerissen haben, bis heute nicht verheilt sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass viele der Verbrechen nie richtig aufgearbeitet wurden, auch weil jede Seite sie für ihre Zwecke instrumentalisiert. Da verwundert es kaum, dass die konservative bis rechte politische Ecke auf Frljić' Theaterstück mit den üblichen abschätzigen bis wütenden Protesten reagiert. Angesichts dessen sind Frljić' Stück und Slijepčević' Film darüber umso wichtiger.

Fazit: Die Proben zu einem Theaterstück geraten zu einem emotionalen und intensiven Unterfangen. "Srbenka" ist ein wuchtiger und wichtiger Dokumentarfilm über ein kontroverses Stück, das dringend notwendige Vergangenheitsbewältigung betreibt.




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