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Die letzte Stadt
Die letzte Stadt
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Kritik: Die letzte Stadt (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Aachener Filmemacher Heinz Emigholz, der seit 2012 Mitglied der Berliner Akademie der Künste ist, arbeitete in seiner langen, erfolgreichen Karriere u.a. als Professor (für experimentelle Filmgestaltung), Autor, Produzent und Schauspieler. Immer wieder brachte er dabei Themen wie Kunst, Philosophie und Gesellschaft mit avantgardistischen, abstrakten und experimentellen Elementen zusammen. Sein neuer Film "Die letzte Stadt" debütierte in diesem Jahr auf der Berlinale.

(Freie) Liebe und Sexualität, Religion und Politik, Kosmologie, Kriegsschuld, Erinnerungen an das eigen Selbst, Architektur, Waffendesign und Psychoanalyse – die zentralen Themen in diesem anspruchsvollen, dialogreichen Film, der viele Denkanstöße liefert und interessante Betrachtungsweisen sowie Blickwinkel präsentiert. Zugegeben, man muss sich zunächst daran gewöhnen, dass die Darsteller häufig in völlig anderen Rollen und an anderer Stelle im Film wieder auftreten (etwa als Kuratorin, Kosmologe, Künstler und Polizist). Dieses (scheinbare) Chaos und Wirrwarr an Figuren, Inhalten und Meinungen aber funktioniert erstaunlich gut.

Das liegt zum einen an der famosen Schnittarbeit und klugen Montage, die einen regelrecht mitreißt und den ganzen Film wie einen Fluss an verschiedenen Schauplätzen, Settings und Begegnungen wirken lässt. Ein Fluss, der einen mitnimmt und in dem man sich treiben lassen und verlieren kann. Der zweite Grund, wieso "Die letzte Stadt" (der Titel des Films ist wörtlich zu verstehen, da am Ende architektonisch gewissermaßen alles miteinander verschmilzt) unbedingt sehenswert ist, liegt in den Schauwerten begründet.

Emigholz realisierte schon häufiger Architektur-Dokus und verstand es, in seinen Filmen die Optik und Ästhetik der dargestellten Bauwerke und Kulissen auf herrliche, entrückte Weise einzufangen. So geht er auch in "Die letzte Stadt" vor. In den jeweiligen Metropolen, in denen "Die letzte Stadt" spielt, spiegeln sich die zuvor abgehandelten Themen und Gespräche wider.

Fazit: Erhellender, herausfordernder aber jederzeit kluger und hintersinniger Kunstfilm, der neue Denkanstöße vermittelt und zur (Selbst)Reflexion aufruft.




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