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The Booksellers - Aus Liebe zum Buch
The Booksellers - Aus Liebe zum Buch
© mindjazz pictures

Kritik: The Booksellers - Aus Liebe zum Buch (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auf der renommierten antiquarischen Buchmesse in New York bauen manche Buchhändler und Buchhändlerinnen schon seit 40 Jahren ihren Stand auf. Viele Antiquare warten nämlich nicht nur im eigenen Laden auf Kundschaft, sondern präsentieren ihre Schätze auch außer Haus. Auf Messen tummeln sich Leute, die für so manchen seltenen Band ihr Konto leeren würden. Der Dokumentarfilm des Regisseurs D.W. Young ist der Liebe zum Buch, besonders aber der Leidenschaft für ältere und vergriffene Ausgaben gewidmet. Er beschränkt sich fast ausschließlich auf die große New Yorker Szene der Antiquare und Sammler. Ein deutsches Kinopublikum versetzt es womöglich ins Staunen, dass die Stadt über eine tief verwurzelte und in Teilen noch sehr lebendige bibliophile Tradition verfügt.

Die Begeisterung der vielen Bibliophilen, die im Film zu Wort kommen, teilt sich überzeugend mit. Eine Archivarin bezeichnet sich als "Jägerin und Sammlerin", andere erzählen Anekdoten über das Fieber, das sie auf Auktionen packt. Die kurzen Statements decken ein breites Spektrum ab. Leider weiß man oft nicht, wer gerade spricht und außerdem springt der Film ständig von einem Gesprächspartner zum anderen, als wolle er unbedingt vermeiden, dass Langeweile aufkommt. Dabei entsteht jedoch auch ein Eindruck der Fülle, der wiederum ganz gut zum Thema unermesslicher Bücherschätze passt.

Die Gespräche fördern oft interessante Details zutage. Man erfährt, dass in den 80er und 1090er Jahren Werke mit Schutzumschlägen bei Sammlern sehr beliebt gewesen sind. Oder man vernimmt erstaunt, dass auch zerrissene Umschläge, mit Anmerkungen des Besitzers versehene Bücher deren Wert noch steigern können. Sammler preisen kostbare Einbände, Bindungen, Zeichnungen, selbst die Qualität alten Papiers.

Zum thematischen Reichtum des Films gesellt sich visueller Genuss. Da streift die Kamera durch labyrinthische Läden mit raumhohen Bücherwänden oder an Regalreihen entlang, deren einzelne Schätze nicht einmal die Besitzer selbst alle im Gedächtnis haben. Jahrhundertealte Werke werden aufgeschlagen, ihre kunstvollen Illustrationen betrachtet. Eine entspannte, launige Jazzmusik erklingt und begleitet im Hintergrund oft auch die Statements. Es stimmt zuversichtlich, dass viele Bibliophile in diesem Film nicht befürchten, die Zeit gedruckter Bücher sei gezählt.

Fazit: Der Dokumentarfilm von D.W. Young schaut sich in der New Yorker Szene antiquarischer Buchhändler um und lässt Menschen zu Wort kommen, deren Leidenschaft das Sammeln seltener Bücher ist. Die Fülle der Statements entspricht dem visuellen Reichtum des Films, der nicht genug bekommen kann von altehrwürdigen Buchhandlungen und edlen Bänden. Die Gespräche kreisen um die Liebe zum Beruf, die Preise von Erstausgaben, Sammlerinteressen im Wandel der Zeit, die Gefährdung des Buchhandels durch das Internet und digitale Ausgaben. Der Film weckt Lust, in Büchern zu schmökern und vermittelt überzeugend, dass der Wert gedruckter Exemplare weit über den Textinhalt hinausgeht.






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