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Jesus shows you the way to the highway
Jesus shows you the way to the highway
© Rapid Eye Movies

Kritik: Jesus shows you the way to the highway (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit Trashfilmen ist das so eine Sache. Denn Trash ist nicht gleich Trash. Die meisten sind schlicht schlecht gemacht und werden auch durch eine den Trash ironisierend feiernde Betrachtungsweise nicht besser. Andere sind im Grunde grundsolide Produktionen und genießen irgendwann vielleicht einmal Kultstatus. Miguel Llansós zweiter abendfüllender Spielfilm könnte durchaus zu einem Kultfilm werden. Denn unter den Stilmitteln des Trashfilms verbirgt sich jede Menge kreatives Potenzial.

Der gebürtige Spanier Llansó hat in Äthiopien eine zweite Heimat gefunden. Hier spielten schon einige seiner Kurzfilme und sein Langfilmdebüt "Crumbs" (2015), das der Verleih als "postapokalyptisches afrofuturistisches Abenteuer" anpreist. Afrofuturistisch und ziemlich durchgeknallt geht es auch in "Jesus Shows You the Way to the Highway" zu. Ganz so gut wie die Werbezeile "The Matrix on Acid" ist der Film zwar nicht, aber definitiv eine Seherfahrung, die man nicht so schnell vergisst.

Schon die Kombination der Produktionsländer ist ein schräger Mix. Die Genre-Persiflage auf Spionage-, Science-Fiction- und Superhelden-Filme wurde in Estland, Äthiopien, Lettland, Rumänien und Spanien produziert und bordet vor ausgefallenen Ideen über. Letzten Endes ist sie auch eine Persiflage auf den Trashfilm selbst. So bunt wie die Herkunftsländer ist auch das Ensemble. An der Seite des mit Mikrosomie geborenen Daniel Tadesse spielt die große, blonde Gerda-Annette Allikas. Schon im Type-Casting setzt der Regisseur und Drehbuchautor also auf markante Gegensätze.

Diese Diskrepanzen setzen sich in der ziemlich konfusen und mehrfach verschachtelten Handlung süffisant fort und münden in einen finalen, aber recht früh vorhersehbaren Plot Twist. In der irren Geschichte zünden lange nicht alle Gags. Bewundernswert ist aber nicht nur das Herzblut, das alle Beteiligten in dieses Projekt gesteckt haben, sondern auch die kleinen kreativen Lösungen, die sie für große Probleme finden, sind bemerkenswert. Wie sich retro-futuristische Sets und eine virtuelle Realität auch mit geringem Budget überzeugend herstellen lassen, beweist "Jesus Shows You the Way to the Highway" eindrucksvoll. Ein verrücktes Sammelsurium von Genres, Stilmitteln, Filmtechniken, Zitaten, Querverweisen und eigenen Ideen – aufbereitet als Film gewordener Fieberwahn.

Fazit: In seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm liefert der Regisseur und Drehbuchautor Miguel Llansó eine durchgeknallte Genre-Persiflage voller Stilmittel des Trashfilms. Die konfuse Handlung spielt im Grunde keine Rolle. Was zählt, sind die irren Einfälle. Die sind mit Herzblut gedreht und durchaus beachtlich. Abseitiges Kino mit Kultpotenzial.




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