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Die Außergewöhnliche Reise der Celeste Garcia
Die Außergewöhnliche Reise der Celeste Garcia
© Kairos Film

Kritik: Die Außergewöhnliche Reise der Celeste Garcia (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Die Außergewöhnliche Reise der Celeste Garcia" ist das Spielfilmdebüt von Regisseur und Drehbuchautor Arturo Infante. Mit seinem Erstling debütierte er Ende 2018 auf dem Toronto Filmfest. Zuvor drehte er vor allem Kurz- und TV-Filme. Seine Deutschlandpremiere erlebte die Tragikomödie 2019 auf dem Filmfest München. Ursprünglich geplanter Kinostart in Deutschland war der 06. Januar.

Arturo Infantes kleiner, feiner Indie-Film lebt von der ersten Minute an von seiner sympathischen Hauptfigur, die sich perfekt als Identifikationsfigur eignet. Celeste (ausdrucksstark: Maria Isabel Diaz) ist eine Frau in höherem Alter, die als Pensionärin eigentlich ein ganz zufriedenstellendes Leben führt. Sie hat ausreichend Geld zum Leben, mag die Arbeit im Planetarium (dort kann sie ihren pädagogischen Neigungen frönen) und kümmert sich gerne um ihren immer noch zu Hause lebenden Sohn. Dennoch, wie es bei allen Menschen der Fall ist, gibt es Dinge, die sie gerne noch tun würde. Und sie trauert der ein oder anderen verpassten Chance hinterher. Damit ist Celeste ganz und gar menschlich, bodenständig und realistisch gezeichnet.

Wenn Infante Momente aus Celestes Leben, die sie geprägt haben, zeigt, kommen wir der vielschichtigen Protagonisten noch näher. Sie leidet unter der Tatsache, dass sich ihre Schwester und ihr Sohn nie wirklich für sie interessiert haben. Und ihre Ehe war auch nie wirklich glücklich. Diesen nachdenklichen, melancholischen Momenten stellt der Film zauberhafte und humorvolle Szenen entgegen, die in einem etwas heruntergekommenen und zerfallenen, abseits gelegenen Vorbereitungszentrum (eine frühere Schule) spielen. Dort "trainieren" die Auserwählten für ihre Zeit auf dem fremden Planten und durchlaufen skurrile Kurse und Übungen, um bestmöglich auf ihr neues Leben vorbereitet zu sein. Darunter Geografie-Schulungen und Übungseinheiten zur Schwerkraft.

Die Unterschiedlichkeit der an diesem Ort versammelten Menschen steht für ein Sammelsurium an verschrobenen, launigen Charakteren – und damit stellvertretend auch für ein Querschnitt unserer bunten (und nicht nur kubanischen) Bevölkerung. Mit dabei: Künstler, ein alternder Sänger, ältere und jüngere Paare, eine schwangere Frau. Sie alle haben unterschiedliche Beweggründe, Ziele und Motivationen. Doch sie sind geeint in dem Wunsch nach Veränderung und einer Chance auf einen Neuanfang.

Fazit: Mit ironischer Leichtigkeit erzählter, geistreicher und schlichtweg märchenhafter Film über verpasste Möglichkeiten, Sehnsüchte und die Chance auf einen Neufanfang.




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