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Verplant - Wie zwei Typen versuchen, mit dem Rad nach...ahren
Verplant - Wie zwei Typen versuchen, mit dem Rad nach Vietnam zu fahren
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Kritik: Verplant - Wie zwei Typen versuchen, mit dem Rad nach Vietnam zu fahren (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Reisedokus haben ein grundlegendes Problem. Viele davon geraten zu Egotrips. So sehr sie sich auch bemühen, etwas von der Welt und den Menschen, die diese bewohnen, zu vermitteln, am Ende steht und fällt der Film mit dem bzw. den Menschen, die die Reise antreten. Waldemar Schleichers Doku punktet nicht nur mit zwei grundsympathischen Protagonisten, sondern ist deshalb so erfrischend anders, weil er gerade nicht versucht, das so häufig beackerte Feld des Reisefilms auf eine andere Art zu bestellen.

Der Filmtitel ist Programm, was erheblich zum Unterhaltungswert beiträgt. Nicht nur Otti und Keule, die es mit ihren Fahrrädern von Heiligenstadt in Thüringen bis nach Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam schaffen wollen, sind verplant, auch der Film selbst hat nur ein rudimentäres Konzept und vor allem kein hochtrabendes, wie es im Subgenre des Reisedokumentarfilms so beliebt ist. Die zwei Freunde stecken weder in einer Lebenskrise, noch sind sie auf Sinnsuche. Auch hat ihre Reise keinen sozialkritisch-politischen Überbau. Ja, auch sie interessieren sich für die Länder, die sich durchqueren, und für die Menschen, die ihnen dort begegnen. Aber nein, all das dient eben nicht dazu, ihr Unterfangen und den daraus entstandenen Film mit einer Bedeutung aufzuladen, die nicht da ist.

Der Regisseur, ein langjähriger Freund der zwei Protagonisten, kommentiert die Reise munter amüsiert aus dem Off. Eine gezeichnete Weltkarte verortet den Reisefortschritt. Einige wenige animierte Sequenzen zeigen das, was vor Ort nicht gefilmt werden durfte. Der Rest sind zwei Typen auf ihren Rädern. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Gerade dieses Weniger ist die Stärke dieses Films, der dadurch so viel stärker ist als all die Reisedokus, die so gern mehr sein würden.

Im Vergleich dazu schneidet "Verplant" in vielen Belangen schlechter ab: Andere Filme haben schönere Bilder, eine spannendere Dramaturgie, interessantere Begegnungen am Wegesrand. Was ihnen allerdings fehlt, das sind Otti und Keule, zwei Protagonisten, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und damit dem eigenen Film auch nicht im Weg stehen.

"Verplant" ist ein Film über zwei alte Freunde, die Spaß haben wollen, und macht daraus keinen Hehl. Ein Egotrip, aber eben kein prätentiöser. Keine selbstverliebte Nabelschau verwöhnter Wohlstandskinder, deren Erste-Welt-Probleme niemanden interessieren. Otti und Keule wollen weder die Welt noch ihr Seelenheil retten. Sie wollen einfach nur Radfahren, Rastmachen und dabei eine gute Zeit haben. Das eine oder andere Bier und eine Zigarette gehören dazu. Gerade weil dieser Film nicht mehr sein will, als er ist, überträgt sich der Spaß spielend auf das Publikum.

Fazit: Der Titel dieses Reisedokumentarfilms ist Programm, was den Unterhaltungswert steigert. "Verplant" begleitet zwei grundsympathische Typen auf einer aberwitzigen Tour. Dass sich dabei weder die Reisenden noch der Film selbst zu ernst nehmen, ist die große Stärke. "Verplant" macht einfach unheimlich viel Spaß und Lust, selbst das Rad zu satteln.




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