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Kritik: Notes of Berlin (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wer schon einmal in Berlin war, kennt die Zettel, die an jeder Straßenlaterne und Plakatwand, an Hauseingängen, in Hinterhöfen und Treppenhäusern hängen. Das ist kein spezifisch berlinerisches Phänomen. Günstige Wohnungen und vermisste Haustiere werden auch in anderen Großstädten über Aushänge gesucht. Typisch für Berlin ist vielleicht die große Anzahl an abstrusen und oft nicht ganz ernst gemeinten Gesuchen. Seit 2010 sammelt Joab Nist diese Botschaften auf seinem Blog notesofberlin.com, der Mariejosephin Schneider als Inspirationsquelle für ihren Film diente.

Los geht es mit einer Aufforderung, einfach mal innezuhalten und in den Himmel zu blicken. Für einen jungen Mann endet diese kurze Kontemplation tödlich. Dummerweise geht er ihr nach einer durchzechten Nacht mitten auf der Straße nach und wird von einem Auto erfasst. Von diesem tragikomischen Auftakt tänzelt der Film leichtfüßig von einer Episode zur nächsten – mit beschwingter Musik und einer tollen Kamera. Personen, Gegenstände oder Aushänge bilden die erzählerischen Bindeglieder, bevor die Geschichte nach 24 Stunden wieder an ihrem Ausgangspunkt ankommt.

Nicht jede Episode ist gleich stark, manche ziemlich schwach. Am Ende überwiegt aber das Gefühl, einen ebenso stimmungsvollen wie stimmigen Film über die deutsche Hauptstadt gesehen zu haben. Mariejosephin Schneider, von der auch das Drehbuch stammt, schaut genau hin und den Berliner*innen aufs Maul. Die Episode zum angespannten Wohnungsmarkt etwa ist kongenial und fügt sich ein in einen kurzweiligen Episodenfilm, der lustig und liebevoll kleine und große Alltagsnöte versammelt.

Fazit: Von den unzähligen Zetteln ausgehend, die in Berlin an jeder Ecke hängen, streift dieser Film beschwingt und amüsant durch die deutsche Hauptstadt. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Mariejosephin Schneider erzählt mal tragisch, meist aber sehr komisch von kleinen und großen Alltagssorgen und schaut den Berliner*innen dabei ganz genau aufs Maul.




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