oder
Streuner
Streuner
© Ascot Elite Entertainment

Kritik: Streuner (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Streuner – Unterwegs mit Hundeaugen" legt die vielfach preisgekrönte Regisseurin Elizabeth Lo nach diversen Kurz-Dokumentarfilmen ihren ersten Lang-Dokumentarfilm vor. Der deutsche Untertitel des Werks ist dabei Programm: Lo nimmt die Perspektive von drei streunenden Hunden ein und begleitet diese durch ihren Alltag in der türkischen Metropole Istanbul. Sie liefert damit ein reizvolles Äquivalent zu Ceyda Toruns Betrachtung "Kedi – Von Katzen und Menschen" (2016), die sich ebenso empathisch dem tierischen Leben auf den Istanbuler Straßen widmete. An vergleichbaren Arbeiten gibt es sonst wohl nur noch die österreichisch-deutsche Koproduktion "Space Dogs" (2019) von Elsa Kremser und Levin Peter, die sich mit den Straßenhunden in Moskau befasste.

Lo baut zu Beginn Texttafeln ein, die über die Situation streunender Hunde in der Türkei informieren; ferner lässt sie Zitate als Denkanstöße einfließen. Davon abgesehen, konzentriert sie sich auf die Beobachtung der Tiere. Ihr gelingen großartige Kamerafahrten und Bildkompositionen; sie ist ganz nah dran, wenn die Hunde Zeytin, Nazar und Kartal Straßen überqueren, auf denen Autos vorbeirauschen, oder am Strand entlanglaufen oder sich durch die belebte Fußgängerzone bewegen. Oft beachten die Menschen sie kaum, mal werden sie vertrieben. Gelegentlich jagen sie eine Katze – und immer wieder treffen die Hunde aufeinander, beschnüffeln sich, balgen sich miteinander oder begeben sich gemeinsam auf Futtersuche. Zur wiederkehrenden menschlichen Begleitung zählt eine Gruppe junger Leute aus Aleppo, die ebenfalls auf der Straße lebt und sich liebevoll um die Hunde kümmert.

Zu den zahlreichen einprägsamen Momenten von "Streuner" gehört, wenn die Hunde inmitten eines Straßenprotests auf dem Boden liegen und an Knochen nagen oder wenn sie Zeit mit den syrischen Jugendlichen in einer verfallenen Ruine am Rande einer Baustelle verbringen. Obwohl der Fokus gänzlich auf den Tieren liegt, erhaschen wir auch etliche Eindrücke der Menschen. Teilweise werden die Aufnahmen mit einnehmender Musik unterlegt, teilweise sind die urbanen Geräusche samt Gesprächsfetzen zu hören. So entsteht ein überzeugendes Stadtporträt aus ungewöhnlicher Sicht.

Fazit: Ein beeindruckender Dokumentarfilm über ein Istanbuler Hunde-Trio, mit einfühlsamen Einblicken und starken Bildern.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.