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Kritik: Wolfwalkers (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Regisseur des Films, Tomm Moore, ließ sich für seine Animationsproduktion nach eigener Aussage von Sagen und der Mythologie rund um Wolfsmenschen, Gestaltwandler und spiritueller Folklore inspirieren. Um einen realistischen, flächigen Look zu erhalten, orientierten sich die Animationskünstler, Trickspezialisten und Zeichner an irischen Holzschnitten aus dem 17. Jahrhundert. Premiere feierte die oscarnominierte Produktion im Herbst 2020 beim Toronto Filmfest.

"Wolfwalkers" ist das seltene Beispiel eines Trickfilms, der sich gleichermaßen für Kinder und genauso für Eltern bzw. erwachsene Kinozuschauer eignet. Denn es handelt sich um ein mit essentiellen, für Groß und Klein wichtigen Botschaften ausgestattetes Werk, das mit seiner liebevollen Umsetzung und charmanten Optik (die flächig-gestrichelte Maltechnik zieht einen förmlich wie ein Gemälde ins Geschehen) begeistert. Und dabei eine stets wendungsreiche, dramaturgisch stimmige Geschichte um zwei gegensätzliche Mädchen erzählt.

Der Unterschied der Beiden macht dann auch einen großen Reiz von "Wolfwalkers" aus und zeigt, wie viel Mühe die Macher auf die Charakterentwicklung und eine ausgefeilte Figurenzeichnung verwendeten. Robyns Vater und die Bewohner ihrer Stadt vertreten die Ansicht, dass Mädchen wie Robyn zu Hause bleiben und sich vor allen Gefahren fernhalten sollten. Sie ist aufgewachsen in einem von Männern dominierten Umfeld, welches ein engstirniges Weltbild vertritt. Im Gegensatz dazu steht Mebh für einen enormen Freiheitsdrang, einen angstbefreiten Umgang mit dem Unbekannten, Entdeckungslust und ein Leben im Einklang mit Tier und Natur. Die Stadtbewohner hingegen wollen den Wald roden und sehen die Wölfe als Gefahr für Leib und Leben. Hier zeigt sich ein ganz zentrales Thema von "Wolfwalkers", welches der Film klar benennt und dessen Relevanz natürlich auch und gerade auf unsere heutige Zeit übertragbar ist: die urmenschliche Angst vor allem was neu und andersartig ist. Denn dem Unbekannten begegnen die Stadtbewohner mit Sorge, Ausgrenzung und Ablehnung. Voller positiver Energie und Lebenslust sind hingegen jene Szenen, in der die beiden Mädchen einander kennenlernen und gemeinsam – ob als Menschen oder in Gestalt von Wölfen – die Welt um sich herum (neu) entdecken. Ein gelungener, angenehmer Kontrast.

Fazit: Zauberhaftes, ästhetisch beachtliches Zeichentrickmärchen mit elementarer Natur- und Ökobotschaft, dessen mutige, liebenswürdige Kinderfiguren große wie kleine Zuschauer ins Herz schließen werden.




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