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Picture a Scientist
Picture a Scientist
© mindjazz pictures

Kritik: Picture a Scientist (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Name dieses Films ist Programm. Stellen Sie sich einen Wissenschaftler vor! Haben Sie dabei an einen Mann oder an eine Frau gedacht? Selbst im Englischen, das Berufe nicht nach Geschlechtern unterscheidet – "scientist" kann ja sowohl einen Wissenschaftler als auch eine Wissenschaftlerin bezeichnen –, sind die Ergebnisse erschreckend einseitig. Und auch die Abbildungen – von Lexika bis Kinderbüchern – zeigen unter dem Schlagwort "Wissenschaftler" meist einen Mann.

Das hat natürlich weniger mit der Sprache und mehr damit zu tun, wie viele Männer und wie viele Frauen in einer Berufsgruppe vertreten sind. All das hat wiederum sehr viel mit struktureller Benachteiligung und Sexismus zu tun. Wer das auch im 21. Jahrhundert immer noch vehement bestreitet und die Chancengleichheit freier demokratischer Gesellschaften ins Feld führt, dem sei dieser Dokumentarfilm wärmstens empfohlen.

Das Regie-Duo Sharon Shattuck und Ian Cheney entführt sein Publikum in die Welt der Wissenschaft, genauer gesagt an Universitäten in den USA. Anhand dreier exemplarischer Karrieren und einer Unmenge interessanter Fakten, Zahlen und Statistiken veranschaulichen Shattuck und Cheney, woran es in puncto Chancengleichheit, Geschlechtergerechtigkeit und Teilhabe bis heute krankt. Der Film zeigt schonungslos die Mechanismen des Machterhalts auf und warum es so schwer ist, sich dagegen zu wehren. Der Film zeigt aber auch, was sich bereist verbessert hat.

Die (zum Teil sehr) persönlichen Erfahrungen, die die drei im Film vorgestellten Wissenschaftlerinnen Nancy Hopkins, Raychelle Burks und Jane Willenbring mit dem Kinopublikum teilen, zeichnen ein bisweilen erschreckendes Bild. Dass so viel struktureller Sexismus ausgerechnet in den Wissenschaften, die auf Empirie basieren, möglich war und ist, verwundert nur auf den ersten Blick. Um ihre (nicht nur) männlichen Kollegen, die vor diesen Missständen lange Zeit die Augen verschlossen haben, zu überzeugen, setzten die Frauen denn auch voll auf Empirie. Wie formuliert es eine der im Film interviewten Wissenschaftlerinnen so treffend: "Schauen Sie sich einfach die Daten an!" Evidenzen könne man schließlich nicht wegdiskutieren.

Fazit: Sharon Shattucks und Ian Cheneys Dokumentarfilm führt in einer zu gleichen Teilen unterhaltsamen, berührenden und aufschlussreichen Mischung aus persönlichen Erfahrungen und wissenschaftlichen Daten nachdrücklich vor Augen, wie viel struktureller Sexismus auch im Wissenschaftsbetrieb herrscht. Dabei zeigt das Regie-Duo aber nicht nur Missstände, sondern auch Lösungswege auf. Ein wichtiger Film, der angesichts all des in der Vergangenheit nicht genutzten weiblichen Talents in den Wissenschaften traurig stimmt, der aber auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht.




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