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Der Maulwurf - Ein Detektiv im Altersheim
Der Maulwurf - Ein Detektiv im Altersheim

Kritik: Der Maulwurf - Ein Detektiv im Altersheim (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der mit deutscher Beteiligung produzierte Dokumentarfilm der chilenischen Regisseurin Maite Alberdi folgt einer zweispurigen Handlung. Ein Spion von 83 Jahren soll als neuer Altenheimbewohner verdeckt ermitteln, denn die Tochter einer Insassin glaubt, ihre Mutter werde schlecht behandelt. Während Maulwurf Sergio also Beobachtungen anstellt und einem Privatdetektiv regelmäßig seinen Bericht abliefert, filmt Alberdis Team ganz offen im Heim, wie er sich dort einlebt und Kontakte knüpft. Der Detektivplot sorgt für Humor und Spannung, ebenso wie die Nöte des alten Mannes, der sich aufdringlicher Bewohnerinnen und des fordernden Detektivs erwehren muss. Die Handlungsspur, die sich fiktionale Detektivfilme zum Vorbild nimmt, täuscht nicht lange darüber hinweg, dass das filmische Interesse im Grunde ein anderes ist. Mehr und mehr geraten die Schicksale der alten Menschen in den Mittelpunkt, die sich Sergio anvertrauen. Das Publikum wird mit ihm Zeuge bewegender Szenen.

Sergio ist im Heim bald so etwas wie der Hahn im Korb. Wenn er mit einzelnen Frauen ins Gespräch kommt, beeindruckt er mit seiner Höflichkeit, seiner zugewandten und freundlichen Art. Während sich im Verlauf des Films einige Bewohnerinnen zu erkennbaren Charakteren herausbilden, die Sympathien auf sich ziehen, ist deutlich zu sehen, wie gut ihnen Sergios Gesellschaft tut. Selbst eine Bewohnerin, die stets mit ihrer Mutter telefoniert und wie ein kleines Mädchen verlangt, abgeholt zu werden – das Heim spielt ihr zuliebe solche Anrufe vor -, schätzt Sergio als Freund. Die vielleicht berührendste Erkenntnis beim Betrachten ist, dass menschliche Zuwendung so dankbar angenommen wird und so stark wirkt.

Sergios Mission ist schwierig, weil er emotional in Mitleidenschaft gezogen wird. Es gibt Szenen, die zu Tränen rühren – so auch Sergio selbst, zum Beispiel bei der Geburtstagsfeier, die ihm das Heim organisiert. Vielleicht sind ihm die Worte für sein Fazit mehr oder weniger in den Mund gelegt, weil sie der Botschaft des Films entsprechen - nämlich, dass nicht das Heim selbst seine Pflichten vernachlässigt, sondern viele Angehörige sich nicht kümmern wollen. Das ändert aber nichts am Wert des Films, in eine nach außen abgeschottete Welt zu schauen, in der Menschen leben, die sich nach Zuwendung und Interesse sehnen.

Fazit: Der bewegende Dokumentarfilm von Maite Alberdi begleitet einen 83-Jährigen während seines Aufenthalts in einem chilenischen Altenheim. Er hat sich als neuer Bewohner ausgegeben, soll aber im Auftrag eines Privatdetektivs verdeckt ermitteln, um vermutete Missstände aufzudecken. Der detektivische Strang erschöpft sich hauptsächlich darin, dem Film eine unterhaltsame, humorvolle Note zu verleihen, die als Gegengewicht zu den berührenden Schicksalen dient, die der Protagonist kennenlernt. Das Leben in einem Heim und die Bürde des alternden, sich verwirrenden Geistes könnten leichter zu ertragen sein, so lautet die Erkenntnis, wenn sich Angehörige öfter blicken ließen.













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