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Mein Lehrer, der Krake
Mein Lehrer, der Krake
© Netflix

Kritik: Mein Lehrer, der Krake (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Tintenfische gelten allgemein als intelligent, doch man weiß einfach noch viel zu wenig über diese etwas unförmig anmutenden Weichtiere. Die Einzelgänger, die sich vor ihren Fressfeinden nur durch Tarnung und Unterschlupf in Unterwasserhöhlen schützen können, sind zwar neugierig, aber auch scheu. Der Netflix-Dokumentarfilm von Pippa Ehrlich und James Reed begleitet den erfahrenen Taucher Craig Foster auf seinen Streifzügen durch den Kelpwald vor Kapstadt in Südafrika. Foster schließt Bekanntschaft mit einem circa 60 Zentimeter großen Tier der Spezies Gemeiner Oktopus, das nach und nach Vertrauen zu ihm entwickelt und ihn an seinen Abenteuern teilhaben lässt. So bietet der oscarprämierte Film sensationelle Aufnahmen.

Foster erzählt sowohl in Voice-Over, als auch vor der Kamera, wie sich die Bekanntschaft mit dem Tintenfisch entwickelte. Der oft sehr persönliche, von der Faszination des Tauchers für dieses kleine Wesen erfüllte Kommentar ist reich an spannenden Informationen. Sie flankieren, was man ungläubig zu sehen bekommt: Wie der Oktopus mit seinem Fangarm Fosters Hand ertastet, wie er seine Farbe verändert, sich in Algenblätter wickelt oder wie ein lebloser Stein auf dem Grund kauert, um sich mit Trippelschritten an die Beute heranzupirschen.

Wie können diese schneckenähnlichen Weichtiere, die nur kurz leben, so lernfähig sein? Diese Frage, die sich Foster berührt und ehrfürchtig stellt, lässt auch das Publikum nicht mehr los. Es schürt noch die Spannung, wenn Foster, der ohne Sauerstoffflasche taucht, gerade in aufregenden Momenten zum Atmen aufsteigen muss. Was er nach der Wiederkehr zu sehen bekommt, ist oft umso überraschender. Wie er fühlt man mit dem kleinen Geschöpf in Momenten der Not mit, möchte helfen – doch Foster greift nicht in den Lauf der Dinge ein. Das wäre meistens auch gar nicht nötig, denn der Oktopus erweist sich als erwachsen.

Die Tauchgänge in den Kelpwald mit seinen vielen Fischen und dem trüben Licht muten wie eine Expedition in ein mystisches Labyrinth an. Mal wirkt es wie ein buntes Paradies, mal eher unheimlich, wenn Walgesänge einen nächtlichen Streifzug begleiten. Dass nebenbei auch Fosters Geschichte einer seelischen Heilung erzählt wird, wäre nicht unbedingt nötig gewesen. Denn die menschliche Begegnung mit dem Oktopus und seiner Unterwasserwildnis ist es, die dieses Filmerlebnis einzigartig macht.

Fazit: Dieser faszinierende Dokumentarfilm lässt sein Publikum die einzigartige Freundschaft eines Oktopus mit einem Taucher miterleben. Unter der Regie von Pippa Ehrlich und James Reed nimmt eine abenteuerliche Geschichte ihren Lauf, in welcher der Südafrikaner Craig Foster Tag für Tag einen Tintenfisch im Algenwald vor der Küste Südafrikas besucht. Das Tier gewinnt Zutrauen und lässt ihn beobachten, mit welcher Lern- und Wandlungsfähigkeit es sich in seinem Umfeld bewegt. Die Abenteuer des gewitzten Kraken in dieser wunderschönen Unterwasserwelt erweitern den Horizont und berühren das Herz.




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