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Kritik: The Midnight Sky (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit dem betont abgedrehten Biopic "Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind" legte der beliebte Hollywood-Schauspieler George Clooney 2002 ein bemerkenswertes Regiedebüt vor. Es folgten weitere eindrückliche Kinostücke wie "Good Night, and Good Luck." (2005) und "The Ides of March – Tage des Verrats" (2011) sowie eher passabel-gediegene Unterhaltung wie "Ein verlockendes Spiel" (2008) und zuletzt die recht unausgegorene Crime-Comedy-Satire "Suburbicon" (2017). Mit dem Science-Fiction-Drama "The Midnight Sky", das seine Premiere auf Netflix erlebte, fügt Clooney seiner Regie-Vita einen soliden Beitrag hinzu.

Der Regisseur und Hauptdarsteller selbst hat sein Projekt als Mischung aus Alfonso Cuaróns "Gravity" (2013) und "The Revenant – Der Rückkehrer" (2015) von Alejandro G. Iñárritu bezeichnet. Die audiovisuelle Wucht dieser beiden Werke kann "The Midnight Sky" indes nicht erreichen. Das Drehbuch, das Mark L. Smith auf Basis des Romans "Good Morning, Midnight" von Lily Brooks-Dalton verfasst hat, verbindet drei Erzählebenen. Wir sehen, wie der von Clooney verkörperte Wissenschaftler Augustine in der Sternwarte Barbeau am nördlichen Polarkreis im Februar 2049, drei Wochen "nach dem Ereignis" (wie es zu Beginn heißt), zusammen mit der kleinen Iris Kontakt zu einem Raumschiff aufzunehmen versucht und sich bald auf eine gefährliche Mission begibt. Zudem sehen wir den Protagonisten in einigen Rückblenden als jungen Mann (gespielt von Ethan Peck). Und wir schweben im All mit der Crew um die junge Astronautin Sully.

Positiv ist, dass der Film sich viel Zeit nimmt, seine Schauplätze zu etablieren und sein Personal einzuführen. Mit seinem Kameramann Martin Ruhe erkundet Clooney die Räume und fängt das Verhalten der Figuren in der Isolation und im Zwischenmenschlichen ein. Auch das Spiel des Ensembles ist sehr einfühlsam. Insbesondere die Chemie zwischen Felicity Jones ("Star Wars: Rogue One") und David Oyelowo ("Selma") überzeugt. Die reale Schwangerschaft von Jones, die spontan ins Skript übernommen wurde, verleiht der Geschichte überdies eine tiefere Bedeutung. Die melodramatische, ziemlich vorhersehbare Zusammenfügung der drei narrativen Ebenen muss jedoch, neben ein paar Längen im Zwischenteil und dem uninspiriert anmutenden Score von Alexandre Desplat, als deutliche Schwäche festgehalten werden.

Fazit: Ein postapokalyptisches Drama, das seinem Weltentwurf und seinen Figuren angenehm viel Raum gibt und von einer guten Besetzung profitiert, aber nicht durchgängig zu fesseln vermag.




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