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Ainbo - Hüterin des Amazonas
Ainbo - Hüterin des Amazonas
© Telepool

Kritik: Ainbo - Hüterin des Amazonas (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ein Thema, das uns alle umtreibt, hält inzwischen auch ins Kinderkino Einzug: der Umweltschutz. "Bigfoot Junior – Ein tierisch verrückter Familientrip", der demnächst in Deutschland startet, erzählt ausgesprochen actionreich davon. "Ainbo" setzt mehr auf Abenteuer und verschiebt den Fokus. Während erstgenannter Animationsfilm von einem amerikanischen Jungen und von Umweltverschmutzungen auf der Nordhalbkugel handelt, reist das Publikum in "Ainbo" ins Amazonasgebiet und sieht die Welt durch die Augen zweier indigener Mädchen.

"Ainbo" ist eine Koproduktion aus Peru und den Niederlanden. Auf den Regiestühlen nahmen der Deutsche Richard Claus ("Der kleine Vampir", 2017) und der Peruaner Jose Zelada Platz. Zelada und dessen Brüder César und Sergio, die den Film mitproduzierten, wissen, wovon sie erzählen. Das Vorbild der Titelfigur ist ihre Mutter Zandra, die in einem kleinen Dorf im Regenwald aufwuchs und ihre Kinder mehrfach an den Ort ihrer eigenen Kindheit mitnahm.

Diese Naturverbundenheit ist dem Film anzumerken. "Ainbo" spielt in einer Welt, deren Bewohner im Einklang mit ihrer Umwelt leben. Als dieses Gleichgewicht von außen bedroht wird, ist Entschlossenheit gefragt. Dabei setzen die fünf Drehbuchautoren, zu denen neben dem Regieduo noch Larry Wilson und Brian und Jason Cleveland zählen, auf eine Mischung aus Altbewährtem und Ungewohntem.

Vertraut ist die Heldinnenreise der Titelfigur, die die Stationen auf ihrem Weg mit Herz, Hirn und Courage bewältig. Bekannt kommen einem auch die zwei witzigen tierischen Sidekicks Dillo und Vaca vor, die durch ihre Physiognomie und ihr Auftreten ein wenig an Timon und Pumbaa aus "Der König der Löwen" (1994) erinnern. (Gesungen wird in "Ainbo" allerdings nicht.) Nicht vollkommen neu, aber erfrischend ist, dass eine weibliche Heldin im Zentrum der Geschichte steht, die überdies auf keine männliche Hilfe angewiesen ist. Ungewohnt ist zudem die an vielen Stellen metaphorische und allegorische Erzählweise.

In diesem toll animierten Film geht es nicht nur um Dschungelgeister, Dschungeldämonen und Flüche, diese erhalten auch eine physische Form und stehen für etwas anderes. Der Dämon Yakuruna etwa nimmt die Gestalt einer überlebensgroßen schwarzen Schlange an, die sich letztlich aus den Rauchschwaden der Maschinen zusammensetzt, die mitten im Regenwald Raubbau betreiben. Der Name des Dämons mag nur in europäischen Ohren ähnlich wie das Wort Corona klingen. Gleichwohl macht das Vordringen in zuvor unberührte Natur auch in "Ainbo" die Menschen krank, was angesichts der weltweiten Corona-Pandemie als eine unbeabsichtigte, aber bittere Pointe gelesen werden kann.

Fazit: "Ainbo" erzählt mit tollen Animationen und gelungenen Metaphern und Allegorien vom Kampf eines indigenen Mädchens gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage. Ein Kinderfilm für die ganze Familie, der so stark wie seine Titelheldin ist: abenteuerlustig, witzig und mutig, dabei aber nie übermütig.




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