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Kritik: Dream Horse (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der walisische Regisseur Euros Lyn und der Drehbuchautor Neil McKay haben eine sympathische Dramödie geschaffen, die auf der wahren Geschichte des Rennpferdes Dream Alliance basiert. In einem kleinen Dorf gezüchtet, gewann es als Außenseiter und nach einer überstandenen schweren Verletzung 2009 das wichtigste Rennen im Lande, den Waliser Grand National. Der Wohlfühlfilm erzählt, wie eine Gruppe von Dorfbewohner*innen trotz geringer finanzieller Mittel mutig ihren Traum lebt und zu einer herzlichen Gemeinschaft zusammenwächst.

Viele Menschen in Jans Dorf haben im Alltagstrott verlernt, nach den Sternen zu greifen und geben sich mit weniger zufrieden, als gut für sie ist. Jans Idee mit dem Rennpferd führt nicht nur dazu, dass Brian und sie wieder an einem Strang ziehen, sie holt auch die unterschiedlichsten Charaktere im Dorf an einen Tisch. Die vornehme alte Dame, der betagte Trinker Kerby (Karl Johnson), der Steuerberater Howard, der seine neu aufgeflammte Leidenschaft vor seiner Frau verheimlicht und viele andere sitzen bald in einem Bus und fahren hinaus in die mondäne Welt der Pferderennen. Wenn sie sich nach einem Sieg auf der Rückfahrt zuprosten und lauthals singen, springt der Funke ihres Glücks auf das Publikum über. Die Atmosphäre in dieser kleinen dörflichen Gemeinschaft wird durch all die verschiedenen Charaktere sehr lebhaft spürbar. Vor allem der zu deftigen Scherzen neigende Kerby und der anfangs gar nicht sympathisch wirkende Brian erobern rasch die Gunst des Publikums. Toni Collette spielt Jan beseelt und dennoch auch realitätsnah, geerdet.

Zwischen Jan und Dream Alliance gibt es eine starke Verbindung, weil beide Kämpfernaturen sind. Außerdem gelten sowohl das Pferd aus dem Kleingarten, als auch seine Besitzer in der Welt der Pferderennen als Außenseiter. Solche Parallelen zählen zu den Reizen der Dramaturgie, die bei den Wettbewerben sowohl die galoppierenden Tiere, als auch die mitfiebernden Menschen am Rande der Bahn im Blick behält. Die Rennen selbst sind sehr spannend und oft hautnah gefilmt. Doch die Dramödie ist kein Pferde- oder Sportfilm im engeren Sinn, sondern lebt von der Botschaft, dass Menschen gemeinsam Berge versetzen können. Walisische Lebensart, Feierfreude und Gesang beherrschen wiederholt die Szenerie, mit Liedern, die angenehm altmodisch oder gar unverwüstlich wie der Evergreen "Delilah" im Abspann klingen.

Fazit: Walisische Lebensart und ein Ensemble markanter Charaktere prägen diesen Wohlfühlfilm des Regisseurs Euros Lyn. Nach einer wahren Geschichte erzählt er mit Humor und Herzlichkeit über eine Gruppe von Dorfbewohnern und -bewohnerinnen, die sich mit vereinten Kräften die Aufzucht und das Training eines eigenen Rennpferdes leisten. Toni Collette spielt die Supermarktangestellte, die nach den Sternen greift und ein ganzes Dorf aus seiner Lethargie reißt, beseelt und geerdet zugleich. Der Film schildert ansprechend, wie eigenwillige Figuren eine Gemeinschaft bilden und überzeugt mit spannenden Pferderennszenen.







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