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Stowaway - Blinder Passagier
Stowaway - Blinder Passagier
© Wild Bunch

Kritik: Stowaway - Blinder Passagier (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Schon der holprige Start der bemannten Rakete wirkt wie eine Warnung, dass diese Marsmission unter keinem guten Stern steht. Auf der Raumfähre angelangt, fangen die Probleme für die drei Astronaut*innen auf dem Weg zum roten Planeten dann auch so richtig an. Ein vergessener Techniker an Bord, ein defektes Gerät – auf einmal zeigt sich, wie weit weg und hilflos die Kontrollstation auf der Erde wirklich ist. Unter der Regie von Joe Penna ("Arctic"), der mit Ryan Morrison auch das Drehbuch schrieb, nimmt ein atmosphärisch dichter Sci-Fi-Thriller seinen Lauf. Der in Deutschland gedrehte Film, eine internationale Koproduktion, bezieht seine Spannung aus dem Psychodrama, das sich in der klaustrophobischen Enge an Bord in der schier ausweglosen Situation entwickelt.

Wie treffen Menschen in einem Team Entscheidungen über Leben und Tod, gemeinsam oder gegeneinander? Fast schon minimalistisch, aber sehr überzeugend in der treffsicheren Knappheit, werden die vier Personen eingeführt. Einige von ihnen teilen sich im Dialog etwas aus ihrem Leben auf der Erde mit. Das erzeugt eine gewisse Nähe zu den Figuren, lässt besser verstehen, wer sie in dieser Situation sind oder sein wollen. Toni Collette spielt die besonnene, aber von dem drohenden Unheil auch emotional niedergedrückte Kommandeurin. Die eigentliche Hauptfigur ist die junge Ärztin Zoe. Anna Kendrick, die auch als ausführende Produzentin fungiert, läuft in dieser Rolle zur Hochform auf. Die hochmotivierte, mental starke Zoe hat den Mut, sich radikal in den Ring zu werfen, ohne Angst vor eigenen Schwächen, vor einem möglichen Versagen zu haben. So wirkt sie zupackend und verletzlich zugleich. Auch die beiden Männercharaktere, die sich ziemlich voneinander unterscheiden, sind trotz knapper Zeichnung für die Handlung durchaus interessant.

Der Höhepunkt der Handlung ist ein Ausflug zweier Passagiere aus der schützenden Fähre hinaus. Die Kletterpartie an den langen Stangen des Vehikels entwickelt eine atemberaubende Spannung, in der auch Wechsel in der Schwerkraft eine verhängnisvolle Rolle spielen. In diesen hervorragend gefilmten Außenszenen scheinen die Kräfte des indifferenten Alls jeden Griff, jede Suche nach Halt mit Vergeblichkeit aufzuladen. Die dezente Filmmusik von Volker Bertelmann kleidet die bei dieser Mission mitreisende Traurigkeit in sphärische Entspanntheit. Mit ihren Schauwerten und ihrer eleganten Knappheit wird die Geschichte zum beeindruckenden Filmerlebnis.

Fazit: Der spannende Sci-Fi-Thriller von Regisseur Joe Penna, der mit deutscher Beteiligung produziert wurde, zeigt die Schauspielerin Anna Kendrick in der Rolle einer Astronautin, die über sich hinauswächst. Als der dreiköpfigen Marsmission, zu der sich ein blinder Passagier gesellt, der Sauerstoff ausgeht, plädiert sie für Teamgeist und einen tollkühnen Rettungsplan. Ein hervorragend gefilmter Außeneinsatz entlang der Raumfähre gerät zum atemberaubenden Höhepunkt des knapp, aber wirkungsvoll und elegant erzählten Filmabenteuers.




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