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Das Wunder von Fatima - Moment der Hoffnung
Das Wunder von Fatima - Moment der Hoffnung
© Capelight Pictures

Kritik: Das Wunder von Fatima - Moment der Hoffnung (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Stadt Fatima ist der bedeutendste Wallfahrtsort Portugals. An dem Ort, an dem drei Hirtenkindern 1917 die Heilige Jungfrau erschienen sein soll, steht seit 1921 eine Kapelle. Papst Johannes Paul II. besuchte den Ort. Papst Franziskus sprach 2017 die schon früh verstorbenen Seherkinder Jacinta und Francisco Marto heilig. Drei Jahre nach dem Tod der Ordensschwester Lúcia 2005 wurde auch das Verfahren ihrer Seligsprechung eröffnet. Der portugiesisch-amerikanische Spielfilm des Regisseurs Marco Pontecorvo ist nicht der erste, der sich der Geschichte von Lúcia dos Santos annimmt. Aber dem ansprechend und bewegend erzählten Film gelingt es, auch Nichtgläubigen eine plausible Version der Ereignisse anzubieten, ohne dem Wunder an sich die Ehrfurcht zu versagen.

Zum Zeitpunkt der Marienerscheinungen herrscht in Portugal eine antiklerikale Stimmung der Aufklärung und des Fortschritts. Aber wegen der Opfer, die der Krieg fordert, sind die Menschen sehr verunsichert. Viele suchen vermehrt Halt im katholischen Glauben. Die Leiden der Bevölkerung, die Einsamkeit des Hirtenalltags – auch Jeanne d‘Arcs Visionen begannen unter ähnlichen Bedingungen. Die Skepsis, die Lúcia entgegenschlägt, wird auch in der Rahmenhandlung, die 1989 spielt, aufgegriffen. Da besucht der mit Harvey Keitel prominent besetzte Charakter eines Buchautors Schwester Lúcia im Kloster. Seinen Zweifeln begegnet diese unbeirrt, sie behauptet nicht mehr, als sie gesehen hat. Und dazu gehört, wie der Film in einer eindrucksvoll visualisierten Massenszene schildert, auch das sogenannte Sonnenwunder.

Im Mittelpunkt des Dramas steht die seelische Prüfung der bescheidenen, natürlich wirkenden Lúcia. Ihre Gabe entzweit sie mit ihrer Mutter, setzt sie im Ort unter Druck, verleiht ihr eine Prominenz, die für ein Kind eine schwere Bürde ist. Das Wunder von Fatima ist in diesem Film vor allem auch die entwaffnende Verwunderung, wie es die Leute elektrisiert, wenn die Kinder auf dem Felde mit der für andere unsichtbaren Gestalt sprechen. Im Abspann zeigen auch Originalfotografien, wie viele Menschen in Fatima auf die Erscheinungen warteten, wie ergriffen sie waren. Die Armut in den Steinhäusern des Dorfes und die Schönheit der hügeligen Landschaft verstärken die atmosphärische Wirkung dieses Films, der sich von seinem Thema verzaubern lässt.

Fazit: Unter der Regie von Marco Pontecorvo entwickelt dieses Drama über die Ereignisse, die aus Fatima den berühmtesten portugiesischen Wallfahrtsort machten, eine überzeugende Anziehungskraft. Im Mittelpunkt steht das persönliche Drama der kleinen Seherin Lúcia dos Santos, der 1917 zunächst nicht einmal die eigene Mutter glaubt, dass ihr die Heilige Jungfrau erschienen ist. Die sorgfältig unter Berücksichtigung des historischen Kontexts und als Auseinandersetzung zwischen Glauben und Zweifel erzählte Geschichte geht sehr respektvoll mit dem Wunder um, ohne dick auftragen zu müssen. Landschaft und Architektur der Schauplätze in Portugal verstärken die reizvolle Atmosphäre.




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