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Kritik: Possessor (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Possessor" ist der zweite Langfilm des kanadischen Drehbuchautors und Regisseurs Brandon Cronenberg nach der düsteren Science-Fiction-Satire "Antiviral" (2012). Wie schon in seinem Erstling gelingt es Cronenberg auch hier, seinem berühmten Vater – dem Body-Horror-Meister David Cronenberg ("Scanners", "Videodrome") – einerseits Tribut zu zollen und anderseits ganz eigene Wege zu finden. Diese sind ähnlich blutig und unkonventionell, verfügen aber über eine sehr individuelle Tragik.

Das dystopische Mindfuck-Setting um eine Organisation, die Auftragsmorde durch Infiltration des Körpers und des Bewusstseins einer Person vollzieht, könnte die Vermutung nahelegen, dass "Possessor" ein Film ist, in dem die Figuren sich unentwegt gegenseitig (und damit dem Publikum) den Plot erklären müssen. Cronenberg wirft uns hingegen unvermittelt ins Geschehen, sorgt für maximale Irritation und einige heftige Bilder – und lässt uns auch im weiteren Verlauf häufig rätseln. Weder die Protagonistin Tasya noch das restliche Personal werden allzu klar gezeichnet – und doch erreicht das Werk deutlich mehr Tiefe, als wir es aus dem Splatter-Bereich kennen und erwarten würden.

Dies ist nicht zuletzt der durchweg überzeugenden Besetzung zu verdanken. Mit Jennifer Jason Leigh, die mit Cronenbergs Vater bereits "eXistenZ" (1999) drehte, und Rossif Sutherland, dessen Vater Donald Sutherland in "Die Körperfresser kommen" (1978) schon mit einer feindseligen physischen Übernahme konfrontiert wurde, huldigt der Filmemacher seinen Vorbildern. Die stärksten Leistungen kommen indes von Andrea Riseborough ("Oblivion") und insbesondere von Christopher Abbott ("It Comes at Night"). Riseborough hinterlässt in ihren Szenen einen derart starken Eindruck, dass wir die von ihr interpretierte Figur auch dann wahrnehmen, wenn diese nicht sichtbar ist. Und Abbott schafft es, den Kampf, der sich im Inneren seiner Rolle zuträgt, intensiv zum Ausdruck zu bringen. In Kombination mit den eindrücklichen Spezialeffekten, den originellen Aufnahmen des Kameramanns Karim Hussain und dem soghaften Score des Komponisten Jim Williams entsteht so ein wirklich bemerkenswerter Film.

Fazit: Eine faszinierende Mischung aus Mystery, hartem Splatter und philosophischem Drama, die tolle Bilder, exzellente Musik und großartiges Schauspiel bietet.




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