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Extreme Number
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© Tricorder Universe

Kritik: Extreme Number (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eine überspitzt formulierte Faustregel für Filmemacher lautet, nie mit Kindern, Tieren oder auf dem Wasser zu drehen. Alle drei seien vor der Kamera zu unberechenbar. Nicolas Vanier scheut dieses Risiko nicht. Der 1962 im Senegal geborene und auf dem Bauernhof seines Großvaters im zentralfranzösischen Sologne aufgewachsene Regisseur hat sich inzwischen auf Familienfilme spezialisiert, in deren Zentrum die Beziehung eines Kindes zu einem Tier steht ("Der Junge und der Wolf", "Belle und Sebastian", "Der Junge und die Wildgänse", u. a.). In seinem neuesten Film wagen sich das Mädchen Cécile und das titelgebende Pony für eine längere Sequenz sogar aufs Wasser.

"Mein Freund Poly" ist die Verfilmung von Cécile Aubrys Roman "Wer rettet Silberschweif?". Im französischen Original heißt er wie auch dessen Adaption schlicht "Poly". Aubry (1928-2010) war Schauspielerin, Fernsehregisseurin und Kinderbuchautorin. Veröffentlicht hat sie "Poly" im Jahr 1964, in dem nun auch die Handlung der Verfilmung spielt. Das bietet nicht nur die Gelegenheit für ein paar augenzwinkernde Anspielungen auf die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse und die sich ankündigende Frauenrechtsbewegung. Vaniers Film schwelgt auch in der Mode, den Fahrzeugen und dem Mobiliar dieser Zeit.

"Mein Freind Poly" ist ein farbenprächtiger und kunterbunter Kinderfilm, der sich schwieriger Themen annimmt und das Herz am rechten Fleck hat. Es geht um den Verlust eines geliebten Menschen und der gewohnten Umgebung. Um die Freundschaft eines Mädchens zu einem Tier, die aus dem Umstand erwächst, dass dieses Mädchen zunächst keine anderen Freunde findet. Und zu guter Letzt geht es um den richtigen, einen würdevollen Umgang mit Tieren.

Nicolas Vanier setzt all das mit einem guten Auge für Farben, Formen und wohlkomponierte Bilder in Szene. Die Landschaft sieht atemberaubend, das Städtchen pittoresk, die wiedererweckte Epoche nostalgisch aus. Letzten Endes fehlt dem Film aber überall das entscheidende Etwas. Die Bösewichte um den Zirkusdirektor sind nicht fies und furchteinflößend genug, die zwei vertrottelten Dorfpolizisten sind nicht witzig genug und die Beziehung zwischen Cécile und Poly ist nicht intensiv genug. So schön dieser Film auch aussieht, die beabsichtigte Stimmung überträgt sich nicht vollends aufs Publikum.

Fazit: Nicolas Vanier ist ein Fachmann für toll fotografierte Familienfilme, in deren Zentrum die Beziehung eines Kindes zu einem Tier steht. Auch sein neuer Film, die Adaption eines Kinderbuchs von Cécile Aubry, sieht fantastisch aus. Letzten Endes fehlt dem Film aber ein entscheidender Tick, damit sich die beabsichtigte Stimmung auch aufs Publikum überträgt.




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