oder

Kritik: Infidel (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Infidel" beruht auf einigen wahren Fällen der jüngeren Vergangenheit, in denen amerikanische Journalisten und Bundesagenten im Nahen Osten Entführungsopfer wurden – und die von der US-Regierung, nicht selten aus Mangel am Willen zur Befreiung und Engagement, letztlich im Stich gelassen und ihrem Schicksal überlassen wurden. Wie etwa bei der Entführung von FBI-Agent Bob Levinson, einem der bekanntesten Fälle dieser Art. 2007 nahm man ihn im Iran gefangen. Ohne Hilfe von politischer Seite begann seine Familie, auf eigene Faust zu ermitteln. Nach jahrelangen, zermürbenden Verhandlungen erfuhren sie 2020, dass Levinson bereits in Haft verstorben war.

Grundsätzlich hat es ein Film nicht leicht, dessen Hauptfigur schwer greifbar und unsympathisch ist oder seltsame Ansichten vertritt. Auf den von Jim Caviezel (seit Jahren ein überzeugter Anhänger von kruden Verschwörungstheorien) gespielten Protagonisten trifft leider alles zu. Ergänzt durch unreflektierte, schwer nachvollziehbare Äußerungen. Im Film wird dies insbesondere im Rahmen eines vor Millionen TV-Zuschauern ausgestrahlten Interviews deutlich, in dem der (man muss es so sagen) christliche Hardliner Doug die Muslime in aller Welt auffordert zu konvertieren. Natürlich zum Christentum.

Da verwundert es nicht, dass die Wut der Gläubigen im Iran nicht lange auf sich warten lässt und Doug Opfer einer – zugegebenermaßen dringlich und packend inszenierten – Entführung wird. Überhaupt verstehen es die Macher, die Action-, Prügel- und Entführungsszenen realistisch mit der Kamera einzufangen, inklusive jedoch eines etwas überzogenen Hanges zu Gewalt. Doch abgesehen davon ist das Bild, welches "Infidel" dem Zuschauer präsentiert, schlicht zu einseitig und unreflektiert.

Die Botschaften sind klar: Hier prallen zwei gegensätzliche Welten und Religionen aufeinander. Die westliche Welt und die des Nahen Ostens sowie das Christentum auf den Islam. Die Muslime zeichnet der Film zum Teil ohne zu Hinterfragen als radikale, fundamentale Anhänger ihrer Glaubensrichtung, die bereit sind über Leichen zu gehen. Die Christen sind die Guten, die Muslime die Bösen. Da überrascht es wenig, dass die einzige Hilfe, die Dougs Frau aus dem Iran erfährt, natürlich von der dortigen christlichen Minderheit kommt. Letztlich legt sich der Film unsachlich und parteiisch seine eigene Meinung zurecht. Hinzu kommen Figuren vom Reißbrett, peinliche Dialoge und gelangweilt aufspielende Darsteller.

Fazit: Propagandistischer, formelhafter und zu reißerisch inszenierter Versuch, das Christentum über den Islam zu stellen und die einseitigen Ansichten der Macher auf den Zuschauer zu übertragen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.