oder
Kultourhelden - Vom Ende einer Ära
Kultourhelden - Vom Ende einer Ära
© Laser Hotline

Kritik: Kultourhelden - Vom Ende einer Ära (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wolfram Hannemann ist als Filmkritiker, freier Journalist und Filmemacher tätig. In seiner dokumentarischen Regiearbeit "Kultourhelden" widmet er sich den beiden Wanderkino-Betreibern Gerhard Göbelt und Klaus Friedrich, die seit den 1980er Jahren – zunächst als Team, später einzeln – im Einsatz sind, um die kleineren Gemeinden im Raum Baden-Württemberg mit Kinounterhaltung zu versorgen.

Wie bereits der Dokumentarfilm "Kinomann" von Matthias Ditscherlein über den Filmvorführer Helmut Göldner aus Sachsen-Anhalt bringt uns Hannemanns Werk mit spürbarer Sympathie einen cineastischen Mikrokosmos näher, der womöglich bald verschwinden wird, da es keine Nachfolge zu geben scheint. Der Film beobachtet Göbelt und Friedrich bei deren Tätigkeit, zeigt sie beim Einräumen und Aufbauen des Equipments, ist bei den Fahrten im Kleintransporter zur nächsten Location dabei und lässt die beiden Männer ausreichend zu Wort kommen. Dabei erfahren wir etwa, wie die Belieferung neuer Filme erfolgt, nach welchen Kriterien das Programm zusammengestellt wird und welche Angebote in der Vergangenheit die größten Hits sowie die schlimmsten Flops waren. Auch wirtschaftliche Zwänge oder veränderte Sehgewohnheiten des Publikums werden angesprochen. Schön ist, dass die beiden in einigen Interviewszenen gemeinsam in einem Kino sitzen.

Die einnehmendsten Momente von "Kultourhelden" sind jene, in denen sich der Film ganz der Kinobegeisterung von Gerhard Göbelt und Klaus Friedrich hingibt. Etwa wenn von der Euphorie berichtet wird, die James Camerons Blockbuster "Titanic" 1997 auslöste. Oder wenn Friedrich davon erzählt, wie er den Gruselfilm "Poltergeist" in einem Steinbruch vorführte und sich dabei das unheimliche Leinwandgeschehen und die Atmosphäre des Areals perfekt ergänzten. Auch wenn uns Hannemann mit auf eine Fähre auf dem Bodensee nimmt, auf der Friedrich den eigenhändig digitalisierten Heimatfilm "Die Fischerin vom Bodensee" präsentiert, wird die Stimmung eines kollektiven Kinoerlebnisses auf gelungene Weise eingefangen.

Fazit: Ein sympathischer dokumentarischer Blick auf den mobilen Kinobetrieb in Baden-Württemberg, der die Filmliebe der Wanderkino-Betreiber Gerhard Göbelt und Klaus Friedrich treffend erfasst.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.