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FBW-Bewertung: König der Raben (2021)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Darko stammt aus Mazedonien und lebt gemeinsam mit seiner traumatisierten und kranken Mutter ohne offiziellen Aufenthaltsstatus in Deutschland. Der junge Mann schlägt sich am Rande der Legalität mit kleinen Jobs durchs Leben, versucht, für seine Mutter zu sorgen und den fragilen Zustand seines Daseins aufrecht zu erhalten. Da passt es eigentlich überhaupt nicht, dass er sich just in dieser Situation in Alina verliebt, die er durch einen Zufall auf einer Brücke trifft, als diese gerade - so hat es den Anschein - von einer Brücke stürzen will. Doch die Liebe, in die er sich stürzt oder in die er vielmehr hineinstolpert, stellt alles in Frage, was ihm bislang lieb und teuer war - seine Freundschaften, seine bedingungslose Hingabe zu seiner Mutter, seine Hoffnung auf ein anderes, ein besseres Leben.

Viel zu selten sieht man so einen Film wie KÖNIG DER RABEN im deutschen Kino. Und das bezieht sich nicht allein auf die Thematik und das Milieu, in dem er verortet ist, sondern durchaus auch auf die Art und Weise der Inszenierung. Mit großer Detailverliebtheit und Spielfreude erzählt Pjotr J. Lewandowski in seinem Spielfilm von einer Welt, die ganz nah ist und doch zugleich unendlich weit von uns entfernt.

Passend zum Titel ist der Film von einer auffälligen Vogel-Symbolik durchzogen, die immer wieder scheinbar nebensächlich ins Bild gerückt wird und die hervorragend zu dem Themenkomplex passt. Denn KÖNIG DER RABEN ist ein Film, in dem es unter anderem darum geht, fliegen zu lernen, flügge zu werden und darum, dass Darko lernen muss, seinen eigenen Weg zu finden - selbst wenn dies bedeutet, dass er abzustürzen droht.

Erstklassig ist auch die Besetzung des Films, bei der vor allem der bislang recht unbekannte Hauptdarsteller Malik Adan mit seiner sehr präsenten Körperlichkeit sowie Antje Traue als Alina auffallen. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit stimmt die Chemie zwischen den beiden und die Amour fou zwischen ihnen ist glaubwürdig und nachvollziehbar - vor allem dann, wenn sich langsam auch die Geschichte von Alinas toxischer Beziehung, aus der sie nicht herauskommt, Stück für Stück entfaltet.

Auffallend an dem Film ist seine große Bandbreite an Themen und Problemen - das Leben in der Illegalität mit all den Schwierigkeiten, die dieses Leben nach sich zieht, die treffsicheren Milieuschilderungen, eine Liebe am Rande der Unmöglichkeit, die Binnenbeziehung von Darko zu seiner Mutter -, die ganz souverän zusammengeführt werden und den Film dennoch nie als Problemfilm erscheinen lassen.

Dass der Film an dieser Vielfalt und Vielschichtigkeit dennoch nicht erstickt, sondern seinen ganz selbstverständlichen Rhythmus beibehält, gehört zu den großen Verdiensten von Regie, Drehbuch und Kamera sowie der guten Musikauswahl.

KÖNIG DER RABEN ist ein Film, der lange nachwirkt.



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