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Aware - Reise in das Bewusstsein
Aware - Reise in das Bewusstsein
© Piffl Medien

Kritik: Aware - Reise in das Bewusstsein (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Was ist Bewusstsein? Für den Wissenschaftler Roland Griffith und die anderen Protagonist*innen dieses Films ist es ein faszinierendes Geheimnis, das sich bislang nur ansatzweise ergründen lässt. Unter der Regie von Frauke Sandig und Eric Black nähert sich der Film seinem Thema von den zwei Richtungen her, die bei seiner Erforschung eingeschlagen werden können. Die eine ist die wissenschaftliche, objektive, die zweite ist die spirituelle, subjektive. Im Verlauf des Films entstehen, was die Erkenntnisse anbelangt, spannende Gemeinsamkeiten. Eine davon lautet, dass der menschliche Geist sein Bewusstsein weiter öffnen und aus den Fesseln seines Selbstverständnisses ein Stück weit befreien kann. Als Teil einer Trilogie mit dem Titel "Herz des Himmels, Herz der Erde" bietet der Film faszinierende Einblicke in ein Forschungsgebiet, auf dem sich Wissenschaft und Mystik begegnen und das untrennbar mit dem Rätsel des Lebens verbunden ist.

Wissenschaftler*innen plagen sich mit dem Widerspruch, dass sie Bewusstsein quasi von außen betrachten müssen, während es subjektiver Natur ist, erlebt, gefühlt werden muss. Menschen, die ihre Erkenntnisse durch Meditation und andere spirituelle Richtungen beziehen, können nicht beweisen, dass diese über ihre Innenwelt hinausgehen. Auch die Psilocybin-Versuche des Wissenschaftlers Roland Griffith lassen die Frage notgedrungen unbeantwortet, ob die Bewusstseinserweiterung durch die psychoaktive Substanz nicht lediglich die Einbildungskraft des individuellen Gehirns steigert. Dem Denken der Zuschauer*innen öffnen sich aber dennoch spannende neue Räume, denn die Erkenntnisse zeigen auch, dass der Geist in Tiefen vordringen kann, die den sogenannten gesunden Menschenverstand sprengen.

So ist es ein wenig schade, dass der Film sein Thema nicht noch stringenter verfolgt, sondern auch Passagen einwebt, in denen es um sehr persönliche Erfahrungen einzelner Protagonist*innen geht. Die Stille in der Wüste, ein Tieropfer bei einen Indigenenstamm führen eher weg vom Thema. Sehr faszinierend aber vermag die Pflanzenforscherin Monica Gagliano ihre Studien zu erklären, indem sie Skizzen auf eine Glasscheibe zeichnet. Wer hätte gedacht, dass das Prinzip des Pawlowschen Reflexes nicht nur bei Hunden, sondern auch bei Erbsenpflanzen funktioniert? Mit meditativen Aufnahmen des Ozeans, der Wellen und von Wassertropfen begleitet der Film oft sehr anregend die ins Philosophische weisenden Aussagen der Befragten.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Frauke Sandig und Eric Black zeigt seinem Publikum, wie faszinierend es ist, sich mit dem Rätsel des Bewusstseins zu beschäftigen. Was ist Bewusstsein und welche Lebewesen besitzen es? Wissenschaftliche Forschung und spirituelle Praxis nähern sich bei Erkenntnissen, dass Bewusstsein weit über das individuelle Selbstverständnis hinausweisen kann, verblüffend an. Mit interessanten Experten und Expertinnen schürt der kontemplativ bebilderte Film die Neugier, sich spekulativ auf geistiges Neuland zu begeben.




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