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Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt
Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt
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Kritik: Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Axel Brüggemann, Regisseur und Autor der Doku, zählt zu den versiertesten Kennern klassischer Musik in Deutschland. Seit den frühen 00er-Jahren Musikredakteur der Welt am Sonntag, wurde der damals 35-Jährige Brüggemann 2006 Chefredakteur des Klassik-Magazins Crescendo. Bis heute inszenierte er zudem zahlreiche Reportagen und Dokus für die öffentlich-rechtlichen Sender und schrieb mehrere Bücher, darunter über Wagner und Mozart. Seit zwei Jahren arbeitet er als Moderator bei Klassik Radio.

Brüggemann wirft einen vielschichtigen, spannenden Blick auf die Reizfigur Wagner, der alle Bereiche des Lebens und der möglichen Betrachtungsweisen mit einbezieht. Die kulturelle, politische, natürlich die musikalische und kulturwissenschaftliche, die glamouröse und nicht zuletzt die internationale. Denn welch große Bedeutung Wagner und seine Kunst weltweit haben, zeigt sich bei Brüggemanns Tour um den Globus. Zu Opernhäusern, Musikern, Dirigenten, Wissenschaftlern, Musikkritikern und Wagner-Experten.

Sein Trip führt ihn über Lettland und Israel über Abu Dhabi und die USA bis nach Asien (Japan). Doch natürlich betrachtet er sehr intensiv auch jenen Ort, der einst für Wagner selbst geschaffen wurde und Jahr für Jahr tausende Menschen anlockt: das Wagner-Festspielhaus in Bayreuth. Dazu zählt ein ausführlicher Blick hinter die Kulissen, der den Zuschauern sonst verborgen bleibt.

Die Szenen aus dem Orchestergraben, von den Orchester-Proben, den Generalproben auf der Bühne sowie dem hektischen, glamourösen Treiben rund um die Festspiele auf dem grünen Hügel gehören zu den Highlights dieser niemals langweiligen oder langatmigen, ebenso informativen wie unterhaltsamen Doku. Gespräche mit Katharina Wagner, Ur-Enkelin des Komponisten und Künstlerische Leiterin der Festspiele, Dirigent Christian Thielemann und Größen der Klassik-Szene wie Placido Domingo ergänzen dies.

Essentiell ist, dass der Film Wagners Antisemitismus nicht ausspart. Der Judenhass des Komponisten spiegelt sich in vielen seiner Werke und diese kann man nicht losgelöst von den bizarren Ansichten und antisemitischen Tendenzen des großen Künstlers rezipieren. Beides gehört zusammen. Dass die Doku dies so klar kommuniziert, ist ihr hoch anzurechnen.

Fazit: Vielschichtige, kritische Betrachtung des Künstlers Richard Wagner und hochinformativer Blick hinter die Kulissen des internationalen Wagner-Kults, des Festspielhauses und der Stadt Bayreuth.




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