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Hinter den Schlagzeilen
Hinter den Schlagzeilen
© Real Fiction

Kritik: Hinter den Schlagzeilen (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In der Öffentlichkeit gerät der Journalismus immer stärker unter Beschuss. Von Rechtspopulisten befeuert, plappern viele deren haltlose Behauptungen einfach nach. Dann ist davon die Rede, dass die Presse gesteuert sei und Lügen verbreite. Dabei wissen die wenigsten, wie ein Verlagshaus oder ein Fernsehsender von innen aussieht. Daniel Andreas Sagers Dokumentarfilm könnte helfen, das in Schieflage geratene Bild von Journalisten wieder geradezurücken.

Für Sagers Film hat die Süddeutsche Zeitung erstmals die Türen zu ihrem Investigativ-Ressort geöffnet. Der Dokumentarfilmer geht dort gemeinsam mit den zwei Investigativ-Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer ein und aus, begleitet sie auf Recherchereisen, nimmt an Konferenzen, Sitzungen und Besprechungen teil und blickt ihnen bei der täglichen Arbeit über die Schulter. Als stiller, neutraler Beobachter – genau so, wie die porträtierten Journalisten ihren Beruf selbst betreiben.

Der erzählerische Ausgangspunkt sind die Panama Papers und deren Folgen. Auch an einem Waffenhändler sind die Journalisten dran. Doch dann tut sich unversehens ein weiteres und weitaus brisanteres Thema auf. Mitten in den Dreharbeiten zu Sagers Dokumentarfilm wird dem Investigativ-Team eine Filmaufnahme zugespielt, die später als "Ibiza-Video" bekannt werden sollte. Bis zu dessen Veröffentlichung wird ein weiteres Jahr vergehen.

Sagers Dokumentarfilm ist nicht nur ein Zeitzeugnis, sondern auch ein Glücksfall für den Journalismus. Das Kinopublikum ist hautnah dabei, wenn Schlagzeilen gemacht werden. Und es erlebt mit, wie viel Arbeit, wie viel Recherche und Akribie, wie viel Abwägen und kritisches Hinterfragen, wie viel Rechtsberatung, wie viel Sorgfalt und Genauigkeit, wie viel Prüfen und immer wieder Überprüfen hinter einer Nachricht von solch großem Ausmaß steckt. Hier sind keine berechnenden Journalisten am Werk, die irgendeine Agenda verfolgen und leichtfertig mit den Karrieren anderer spielen.

Die journalistischen Standards sind aus gutem Grund sehr hoch und werden eingehalten. Für alle Beteiligten ist das eine Selbstverständlichkeit, und es ist auch dringend notwendig in einer Welt, in der es Politiker wie die im Film gezeigten mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Vielleicht hilft dieser Film ja, verlorenes Vertrauen in den Journalismus wieder herzustellen.

Fazit: Der Filmtitel hält, was er verspricht. Regisseur Daniel Andreas Sager blickt in seinem Dokumentarfilm hinter die Kulissen einer der größten Tageszeitungen Deutschlands und zeigt, mit wie viel Recherche und Genauigkeit Schlagzeilen entstehen. Ein wichtiges Zeitzeugnis, das dabei helfen könnte, verlorenes Vertrauen in den Journalismus zurückzugewinnen.




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