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Walter Kaufmann - Welch ein Leben!
Walter Kaufmann - Welch ein Leben!
© Karin Kaper Film

Kritik: Walter Kaufmann - Welch ein Leben! (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ganz am Anfang dieses Dokumentarfilms betritt Walter Kaufmann eine Bühne. Der Politiker Gregor Gysi hat den Schriftsteller ins Deutsche Theater in Berlin zu seiner Gesprächsreihe "Gregor Gysi trifft Zeitgenossen" eingeladen, die Gysi dort von 2003 bis 2009 durchführte. Das Publikum hört gespannt zu, was Kaufmann zu sagen hat. In ihrem Dokumentarfilm bereiten nun Karin Kaper und Dirk Szuszies Kaufmann eine Bühne. Und das Kinopublikum hört gespannt zu.

Im Grunde ist das neue Werk des Regieduos, zu dessen bekanntesten Arbeiten der Dokumentarfilm "Wir sind Juden aus Breslau" (2016) zählt, nichts weiter als eine fast zweistündige Plauderstunde. Aber die hat es in sich! Mal sitzt der Autor, der während der Dreharbeiten bereits ein biblisches Alter erreicht hatte, am Schreibtisch in seinem Ferienhäuschen an der Ostsee, meist aber in seinem Wohnzimmer. Zwischendurch begleitet ihn die Kamera durch die Straßen Berlins. Dass er fast 100 Jahre alt ist, merkt man ihm nicht an. Sein Körper scheint so lebendig wie sein Geist. Vor der Kamera lässt er sein bewegtes Leben geistreich Revue passieren.

Während Kaufmann also erzählt, schneidet das Regieduo Archivaufnahmen aus Kaufmanns Vergangenheit und aktuelle Aufnahmen von Orten gegen, über die Kaufmann gerade erzählt. Daraus ergibt sich ein hochinteressanter, aber auch sehr konventionell umgesetzter Gedanken- und Bilderstrom über das vergangene Jahrhundert. Von Kaufmanns Literatur erfährt das Publikum nicht viel mehr als die Titel seiner Bücher. Kaper und Szuszies geht es mehr um den Menschen dahinter, der durch seine Weltläufigkeit und Reflexion beeindruckt.

Fazit: "Walter Kaufmann – welch ein Leben" ist das hochinteressante, aber auch konventionell inszenierte Porträt des Anfang dieses Jahres verstorbenen Schriftstellers Walter Kaufmann. Das Regieduo Karin Kaper und Dirk Szuszies erzählt entlang von Kaufmanns bewegtem Leben auch immer die Verwerfungen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts mit.




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